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Berlin – ein Zirkus der Superlative – Akt 1

Berlin – ein Zirkus der Superlative. Verehrte Damen, verehrte Herren, herzlich willkommen im Berliner Zirkus der „Drölftausend“ Möglichkeiten! Betreten Sie mit mir die Manege und erleben Sie die Faszination einer andersartigen Fahrradtour durch Berlin, wie sie sie noch nie erlebt haben – Vergessen Sie den Alltag und lassen Sie sich verzaubern in einer Show von ungewohnter Magie und ungeschminkter Geschichte, Skurrilität und akrobatischen Einlagen! In gemütlicher Zirkusatmosphäre, mit Live-Orchester der Stadt, werden sie den Duft von Asphalt und die Vielfalt Berlins mit dem Rad neu erleben! Licht aus, Spot an, Manege frei!

Was weiß ich eigentlich über Berlin? Wenn ich ehrlich bin nicht viel- denn außer den üblichen Geschichtsbüchern aus der Schule rund zum Thema Krieg und Mauer, zwei Hände voll Klischees von den jeweiligen Stadtteilen mit meinem jugendlich manifestierten Wirrwarr aus David Bowie & Christiane F, der ganz besonderen Luft, dem täglichen politischen Prozedere im TV sowie der Loveparade,  ist mir das „dicke B“ bis heute nahezu fremd geblieben.

„Berlin ist irgendwie anders“, sagte man mir und schon bei meiner Ankunft war mir klar, dass ich es mehrfach verfluchen werde nicht schon mal früher hier gewesen zu sein. Aber was möchte ich erleben? – die Klassiker? Den Fernsehturm am Alex, den Reichstag oder die nicht endenden Ost /West Geschichten über kalten Krieg Mauer und Besatzung? Nein, natürlich nicht – das kann ja jeder! – aber genau dieser ursprünglich festgelegte Gedanke verdampft bereits nach nur 10 Sekunden auf dem Fahrrad wie eine Atemluft an einem kalten Herbsttag.

Ich befinde mich auf der Köpenicker Straße im Stadtteil Kreuzberg. Es ist bunt, laut und voll.  Unzählige Graffitis, Autos und tosende Fassadenarbeiten hämmern auf mich ein. Viele Radfahrer düsen in einem mir unbekannten Schema mit einem Affentempo über die halbherzig angelegten Radfahrwege. Die Köpenicker Straße ist extrem omnipräsent und ich fühle mich als, wenn ich unfreiwillig als Farbenblinder, zum ersten Mal eine von diesen modernen EnChroma-Brille aufgesetzt bekommen habe. Direkt zu Beginn meiner Tour befinde ich mich neben meinem Hotel vor Europas bekanntestes Hausbesetzerzentrum. Seit das Gebäude in der Köpenicker Straße 137 in Mitte 1990 besetzt worden ist, gab es viele Auseinandersetzungen und Streitigkeiten. Für mich eine absolut surreale Welt die ich nicht begreifen kann. Was für eine Reizüberflutung! – ohne bisher ein Meter gefahren zu sein!

 

 

Ich muss mich erst einmal sammeln und überquere mit dem Radel an der Hand die Straße, um mit Neugierde auf einen Hinterhof Blicken. Und schon ist sie da, die Geschichte, das nicht „wegblendbare“ das allgegenwärtige. Eine schon ältere Wandmalerei einer Friedenstaube in einer Gedankenblase mit nicht ganz freiwillig aufgesetztem Helm und daneben „War is over!“

 

 

Dieser Teil von Kreuzberg, der bei weitem nicht zum Epizentrum des Stadtteils gehört,  ist trotzdem schon sehr bunt. Die Menschen, ob arm oder reich gehen ihren Weg und hier und da duftet es nach Flieder, Döner, Auspuffgasen oder Bratwurst. Viele Nationalitäten sind anzutreffen und bei Blickkontakt fällt manchmal ein flüchtiges aber nettes Nicken oder sogar ein Hallo. An der Brückenstraße symbolisiert ein Wandmotiv zwei Hände, die farbig ineinander übergehen, was sich auch auffällig an der Hautfarbenveränderung im Stadtteil abzeichnet.

 

 

Ich radle in Richtung Zentrum und erreiche nach einer Brücke zuerst die Anlegestelle Fischereiuferund später das Spreeufer mit Flaniermeile und einem Brauhaus. Hier beginnt auch gleichzeitig mein erster akrobatischer Akt. Mit dem Rad über den Schultern muss ich mich mehrmals den Treppen herunter- und hinaufschleppen. Dadurch, das das Bike bepackt ist, ist dieser Akt besonders müßig, zumal die Treppenstufen mit Abstand um einiges höher sind als die wohl krassesten Schuhabsätze von Olivia Jones.  Aber es lohnt und ich bekomme eine Menge am Spreeufer zu sehen. Zum einen erlegt dort auf einer Statue der heilige St. Georg täglich in seinem eingefrorenen Moment einen Drachen, zum anderen schaut man auch auf die mächtigen Gemäuer vom Ostflügel der Hochschule der Musik. Zarte Klänge gibt es hier nicht, aber die großen Gemäuer schlucken viel vom Stadtlärm.

 

 

Einen Katzenwurf weiter der Berliner Dom, eine majestätische Kathedrale mit ihren unverkennbaren Kuppeln die nicht nur von mir, sondern auch zum Teil von vier jugendlichen naturalistischen Akten bewundert wird. Hierbei handelt es sich um Bronzefiguren von Wilfried Fitzenreiter, bestehend aus drei Frauen und einen jungen Mann. Die Figuren waren seit 1988 als Gruppe Rücken an Rücken in einem Brunnen vor dem Schlosshotel aufgestellt. 2007 wurden sie umgesetzt und in ihrer jetzigen Form und Lage neu aufgestellt. Ich für meinen Teil bleibe bekleidet und fahre weiter entlang der Spreeufer Promenade (jedoch nicht auf meine sportlichen Treppenstufen zu verzichten) in Richtung Bode – Museum. Hier befindet sich ein sehr aparter Teil vom Spreeufer. Leider haben die Cafés in der Frühe noch geschlossen, aber auch so verweilt man gerne ein wenig länger hier, als zuvor erwartet.

 

 

Was wäre, wenn nur ein großer Zirkus die ultimative Show bietetGenau, es wäre auf Dauer langweilig. Somit gibt es nicht nur den Berliner Zirkus als ganzes, sondern auch viele andere Zirkusse auf diesem kleinen blauen Planeten mit Artisten, Tieren und Arrangements. Konkurrenz oder Mitbewerb belebt ja bekanntlich den Markt, dennoch sollte man sich die ein oder andere Artistennummer beim Mitbewerber genauer Anschauen und unter verschiedenen Kriterien Ausspionieren und später auswerten. Sich dabei als Clown zu verkleiden wäre wohl eine sehr auffällige Idee, aber manchmal ist die Offensive“ vielleicht die beste Tarnung.  Seit ca. 3 Jahren ist auch der Bundesnachrichtendienst kurz: BND nach Berlin gezogen.

 

  >>Der BND ist als deutscher Auslandsgeheimdienst dem Kanzleramt unterstellt. Seine Mitarbeiter sammeln im Ausland mit nachrichtendienstlichen Mitteln Erkenntnisse, die außen- oder sicherheitspolitische Bedeutung haben. Der BND erforscht und analysiert terroristische Bestrebungen, die Organisierte Kriminalität, illegale Finanzströme, Rauschgifthandel, die Weitergabe von ABC-Waffen und Rüstungsgütern sowie heikle Regionen wie Afghanistan und Pakistan. Seit 2007 liefert der BND auch die Lageanalysen für die Auslandseinsätze der Bundeswehr etwa am Hindukusch. Der Dienst beschafft sich seine Informationen über so genannte „menschliche Quellen“, das Abfangen von elektronischer Kommunikation  sowie Satelliten- und Luftbilder. Außerdem bedient sich auch der BND offener Quellen wie der Presse, die nach eigenen Angaben den größten Teil seines Informationsaufkommens liefern.<< Quelle:tagesschau.de/inland/geheimdienstehintergrund100.html

 

Auch ich als Radfahrer darf ein paar Kilometer weiter, auf dem ehemaligen Stadiongelände der Weltjugend, den Neubaudes BND auf der Chausseestraße 96 von der Straße aus betrachten. Und was soll ich sagen, es ist schon ein moderner Koloss der in einer ganz anderen Liga mitspielt! Schlicht, elegant und linear zu gleich. Mir gefällt es und ich bin nahezu sprachlos über die diese enorme Größe. Ein Mega Gebäudekomplex – nahezu eine kleine Stadt fürs sich. Das Besucherzentrum ist in einer Ecke des riesigen BND Komplexes untergebracht – streng abgeschirmt vom Rest. Auf mehreren hundert Quadratmetern Fläche sind in dem Besucherzentrum über 100 Exponate zu sehen, die bestimmt an so manchen James-Bond-Film erinnern können – eine Spritzblume á la Clowngadget würde die Sammlung bestimmt drastisch aufwerten! Denn diese gab es schon lange vor 007 😉 Wer mehr über den BND in seiner Tätigkeit, oder  über das Gebäude erfahren möchte kann sich natürlich –> HIER <– weiter schlau machen!

 

 

Ich kehre dem BND Gebäude dem Rücken und fahre weiter die Chausseestraße entlang bis zur Ecke Liesenstraße. Der frühere Grenzübergang Chausseestraße verband den ehemaligen westberliner Bezirk Gesundbrunnen mit dem ostberliner Bezirk Mitte. Hier gibt es eine wunderschön künstlerisch umgesetzte Idee, die an die Kaninchen erinnern soll, die zu den Zeiten der bestehenden Mauer auf dem Todesstreifen wild lebten. Sie gruben ihre Tunnel direkt unter den Absperrungen, von einem Teil der Stadt zum anderen und waren somit in der Lage jederzeit die Grenze zu passieren.

 

 

Die Künstlerin Karla Sachse hat viele Kaninchen in Messing gießen lassen und diese über die Straße verteilt auf dem Boden eingelassen. Das Kaninchenfelddient als ironische Erinnerung an die Bewegungsfreiheit, die den Menschen in Berlin verwehrt wurde. Sobald man ein Messingkaninchen auf der Chausseestraße oder auf dem Gehweg z. B. Bushaltestelle im Stadtteil Wedding entdeckt hat, bemerkt man schnell ein weiteres und dann noch eins. Eine doppeltet Linie von Kopfsteinpflastern, quer über die Straße, soll auch heute noch den ehemaligen Verlauf der Mauer zeigen.

Ein Zirkus hat Tradition – leider heute in unserer Medienwelt völlig untergegangen. Ein Zirkus diente nicht nur dem Gefühl, der Freizeitgestaltung oder der Spannung vielmehr war der Zirkus ein Unterhaltungsunternehmen. Ein echtes Gemeinwohl der Bürger. Zirkusse waren beliebt und so kam es das sich aus den Zirkusfamilien richtige Dynastien entwickelten. Ein mancher Direktor bekam sogar einen besonderen Titel verliehen. Den des Kommissionsrat !

>> Kommissionsrat war ein Titularratstitel ähnlich dem Kommerzienrat, der in Deutschland bis 1918 verliehen wurde. Der Ehrentitel wurde Geschäftsleuten, die sich um das Gemeinwohl verdient gemacht hatten, vergeben. Er konnte an Personen in den verschiedenartigsten Stellungen verliehen werden, blieb aber trotz Rangesgleichheit  in sozialer Beziehung hinter dem Kommerzienratstitel zurück. Eine weitere Rangerhöhung war die Verleihung des hoffähigen Titels Geheimer Kommissionsrat<< Quelle: Wikipedia

Aber was wäre Berlin, wenn es nicht auf einer langen Zirkushistorie zurückschauen könnte ? An der Liesenstraße , zwischen Wedding und Mitte, liegt der Dorotheenstädtische Friedhof II. Man nennt ihn auch den „Friedhof der Zirkusdirektoren“. Denn hier ruhen die ganz großen,  die drei „Könige der Manege“: Paul Busch, Albert Schumann und nicht zuletzt Ernst Renz.

 

 

Das Radfahren in Berlin macht sehr viel Spaß- mal abgesehen davon, dass man oft der einzige Depp ist, der an einer roten Ampel hält. Hat man sich aber erstmals an dem Flow des Verkehrschaos  gewöhnt, so fällt auf, das ein E-Bike bzw. Pedelec eher selten anzutreffen ist. Als Hype sind derzeit alte Rennräder extrem populär. Viele alte Standard-Cityräder oder Fixies dominieren den Stadtverkehr. Ein wahrer Augenschmaus für Fahrradliebhaber. Auch sind das Kopfsteinpflaster oder die alten Gehwege nicht zu unterschätzen. Wer keine ordentliche Federung besitzt, dem läuft auf Dauer die Gefahr, durch das ganze Gerüttele so manche Kronen aus der Kauleiste zu verlieren. Nicht auszudenken wie rutschig es bei Nässe ist.

Über extrem holperige Straßen fahre ich weiter zum Volkspark Humboldthain. [Randnotiz: Kronen haben gehalten Dank Ferderung!] Neben Freibad, Rosen- und Skulpturengarten und Spielplätzen sind die Hauptattraktionen die beiden historischen Flaktürme auf der Spitze eines Luftschutzbunkers aus dem 2. Weltkrieg. Es ist ein monströser Betonbau aus den frühen 1940er Jahren, welcher heute im Sommer einen einzigartigen Blick auf den Norden Berlins bietet und im Winter ein Refugium für Fledermäuse ist. Hunderte der kleinen fliegenden Säugetiere verbringen ihre Winter in den Tiefen des Bunkers!

 

 

Flak ist die Abkürzung von Fliegerabwehrkanone. Nach dem Krieg zerstörten französische Soldaten alle bis auf zwei dieser Verteidigungsanlagen. Die beiden nördlichen Türme wurden verschont, da der Abriss als zu gefährlich galt. Die nahegelegenen Bahngleise im Norden standen unter sowjetischer Verwaltung und ihre Beschädigung hätte eine diplomatische Situation auslösen können. In den Jahren nach 1945 transportierten alliierte Truppen 1,4 Millionen Kubikmeter Kriegsschutt in den ehemaligen Humboldthain und bildeten zwei Schutthügel, die den Großteil der verbliebenen Betonbauten bedeckten. Heute ist die Humboldthöhe komplett mit Bäumen bedeckt. Jetzt im Sommer, wenn die Bäume voll belaubt sind, ist der massive Bunker bis auf die beiden Flaktürme nahezu unsichtbar.

 

 

Es geht weiter und mit ein wenig Zick Zack durch die Wohnviertel erreiche ich das alte Amtsgericht Wedding. Was für ein Gebäude! Und dahinter das kleine Fließgewässer „Die Planke“. An der Planke entlang komme ich zu den Planke-Terrassen. Obwohl mitten in der Stadt gelegen, kennt kaum jemand diesen sehr besonderen Ort, der mehr an Wildnis und Vergessenheit erinnert. Auch hier sind die Gebäude und die Kanalmauern stark von Graffitis besprüht.

 

 

Über den Nordhafen erreiche ich den Golda-Meier-Steg am Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal. Der Steg über den Kanal soll ein wichtiges Element der touristischen Infrastruktur zur Verbindung der ehemals geteilten Stadtteile bilden. Benannt ist er nach der ehemaligen israelischen Ministerpräsidentin Golda Meir.

 

 

Gleich daneben eine Gedenkstätte in Form eines ehemaligen erhaltenen Wachturmes. Mit einem Schaubeispiel in Form eines Schildes kann man sehen, wie ein solcher Wachturm von innen aufgebaut war, und welche Abschnitte im inneren für welche Funktionen ausgestattet waren. Gedenken soll der ehemalige Wachturm an Günter Litfin, den dieser wurde als erster Mensch ein Tag nach dem der Schießbefehl:“ Grenzverletzer mit Waffengewalt an die Flucht hindern“ am 24. August 1961 bei seinem Fluchtversuch durch den Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal erschossen.

 

 

Ich fahre noch ein wenig den Kanal entlang. Schön ist es parallel mit den kleinen Schiffen auf gleicher Augenhöhe zu fahren. Ich bestaune die großen neuen Bauten und die noch unzähligen Baustellen wo scheinbar 24/7 gehämmert und gebohrt wird. Langsam aber sich nähere ich mich den Spreebogen und damit auch dem Zentrum der politischen Manege von Deutschland.

 

 

Ein jeder Zirkus hat eine straffe klassische Sitzaufteilung. Dabei ist die Manege immer das Zentrum des Geschehens. Die Plätze, die am weitesten von der Manege entfernt nennt man Rangplätze. Sie sind einfach gehalten, aber dafür auch oft anonym. Sehen wird man vielleicht viel, aber wenn es ums Detail geht, so hat man höchstwahrscheinlich die schlechtesten Karten. Als guter Kompromiss eignen sich die sogenannten Sperrsitze. Diese Sitzplätze gab es erstmals Ende des 18. Jahrhunderts im Theater. Gut situierte Herrschaften konnten damals Sitze mieten, die dann reserviert wurden. Damit sich auch niemand anders auf diese Plätze setzte, wurde die Sitzflächen aus Holz hochgeklappt und mit einem Schlüssel abgesperrt, der den Herrschaften beim Eintritt dann ausgehändigt wurde. Dieser Schlüssel war dann gleichzeitig die Eintrittskarte zum Theater. Natürlich konnte man einen Schlüssel auch mieten. Heute würde das dann wohl Abonoment heißen! Nun bleiben nur noch die besonderen Plätze übrig. So wie hier in Berlin am Spreebogen, gibt es natürlich nur die besten Plätze. Ganz nah am Leben, im Mittelpunkt stehend und allzeit repräsentativ, blühen hier die wohl spannendsten Gebäude auf. Es sind die Loge, Ring- und Balkonplätze – mit Backstagegarantie. Auf meiner rechten sehe ich den Zugeinfahrt vom Hauptbahnhof Berlin, daneben das futuristische Büro Gebäude mit seinem offensichtlichen Namen „Cube“ und in unmittelbarer Nähe natürlich das Reichstagsgebäude, das Kanzleramt sowie das Bundestagsbürogebäude (Paul-Löbe-Haus).

 

 

Viel ist hier nicht los – ich wundere mich warum. Mit einem Tipp von einem Passanten erklärt sich aber schnell mein erster Eindruck. Das Unterirdische Erschließungssystem kurz (UES) ist die Lösung meiner Verwunderung. S-Bahn, Warenanlieferungen, Warenablieferungen, Versorgung und Entsorgung sowie alle Zugänge zu den Parkhäusern sind tatsächlich unterirdisch installiert. Auch sind diverse Gebäude mit einem Tunnelsystem ausgestattet sodass es zu keinerlei „oberirdischen“ Behinderung führt.

 

 

Mir persönlich war bisher das Paul-Löbe-Haus aus dem TV  am bekanntesten-der Moment, wenn die Abgeordneten mit ihren PKW vorfahren und aussteigen, meist mit dem Ziel schnell hinter der Glastüre zu verschwinden. Das das Paul-Löbe-Haus jedoch solche großen Ausmaße hat, hätte ich niemals gedacht. Es lebe das Teleobjektiv (ironie off) !  Ebenso ergeht es mir mit dem Reichstagsgebäude. Was für ein „Klöpper“ denke ich mir und muss zeitgleich an die Aktion denken als im Jahr 1995 Christo und Jeanne-Claude ihren verhüllten Reichstag der Öffentlichkeit präsentierten. Man was war das im TV unspäktakulär. Aber jetzt… Ups!

 

Hier ist ein idealer Zeitpunkt eine mini Pause zu machen bevor ich weiter in Richtung Tiergarten fahre. Ich suche mir einen geeigneten Platz und beobachte das wenige Getümmel. Alles ist sehr picobello, aufgeräumt, und eine jede Grasnarbe wirkt als wäre sie am morgen nochmal gekämmt worden. Wenn ich ehrlich bin, ist das mit dem Beobachten gar nicht so einfach, denn ständig habe ich das Gefühl, das ich derjenige bin, der beobachtet wird. Kopfkino? – oder doch mehr ein Zeichen dafür, das mein Gehirn dringend etwas Energie braucht, um weiter die geballte Ladung an Eindrücke zu verkraften? Beherzt beiße ich in meine „Stulle“! – Beifall und Applaus! Das Licht geht an und von jetzt auf gleich merke ich das die kleine Pause mehr als überfällig war! Hoffendlich gibts keinen Pausenclown!

 

 

Ich düse über die leere Moltkebrücke weiter in Richtung Tiergarten. Links von mir das Kanzleramt. Eine tolle Passage entlang der Spree! Von weiten kann man bereits die Victoria auf der Siegessäule sehen, aber mein Ziel ist eine Musikdarbietung in Form von Lyrics im Großen Tiergarten. -dieser wird gerade bewässert und die Kreiselbewässerungsanlage hat nicht nur ordentlich Druck auf der Leitung, vielmehr ist das Biest auch wahnsinnig schnell! Somit ist eine „kleine“ Wasserabkühlung wohl unvermeidbar. Ecke Große-Sternallee und Große-Weg ist es dann so weit und schlagartig aber zum Glück nicht voll durchnässt habe ich einen Ohrwurm im Kopf, der mich wohl noch eine ganze Weile begleiten möchte. Darf ich vorstellen: der „Stand by me Tree„. Da hat doch einfach eine anonyme Person den Text zu einem der größten Liebeslieder aller Zeiten in den Baum reingeraspelt: Ben E. Kings „Stand By Me“. Sauber, akkurat und anscheinend mit großem Absichten! Ob der Text tatsächlich eine Liebeserklärung an einen Menschen oder einfach nur für das Lied selbst steht, bleibt wohl ungeklärt. Jedenfalls bleibt der Text, solange wie der Baum im Tiergartenpark alt wird!

 

 

Im großen Zirkus von Berlin beginnt nun die Jongliervorstellung. Vom Tiergarten aus jongliere ich mich im wahrsten Sinne des Wortes durch die einzelnen Stadtteile. Mit viele Varieté! Dabei heißt es „Obacht“ denn der Verkehr ist unbarmherzig und kann gemein sein. Eine Unaufmerksamkeit möchte ich mir nicht leisten, vielmehr überleg ich, wie ich meinen so langsam nervenden Ohrwurm töten kann. Wilmersdorf, Friedenau und Steglitz -alles Berlin und doch so unterschiedlich. Ich passiere wieder einen kleinen Kanal – oder ist es vielleicht immer derselbe? Berlin ist übrigens eine sehr Wasserreiche Stadt. Es führten im Jahr 2020 je nach Definition „Brücke“ zwischen 920 und 2100 Brücken über Verkehrswege wie Straßen, Autobahnen, Eisenbahnstrecken und Wasserstraßen oder über natürliche Hindernisse wie beispielsweise Flüsse. Vergleichen wir Venedig mit seinen läppischen 435 Brücken, so könnte man meinen das Berlin das Potenzial zur Romantik…Nein!, kann man nicht. Hier in Berlin haben Brücken Namen und „mitfühlende“ Katasterregister. Das gleich gilt natürlich auch für Baudenkmäler. Teil der Denkmalliste von Berlin, Nr. 09066281 ist auch die ehemalige Optische Anstalt C. P. Goerz, die auf die Fertigung von optischen Linsen und Kameras spezialisiert war. Ich halte an und schaue auf ein wunderschön restauriertes Industriedenkmal auf der Holsteinischen Straße. Es ist das Fabrikgebäude, Kraftwerk und der Versuchsturm der ehemaligen Goerzschen Werke. Klasse!

 

 

Als Artist oder Darsteller in einem Zirkus gilt es, natürlich besonders auszusehen. Dabei helfen bekanntermaßen das einzigartige Kostüm, sowie die gute alte Schminke. Wurde die Schminke früher grob mit einem Lappen oder Schwamm aufgetragen so sind es heute wahre Kunstwerke, die filigran auf einem Gesicht kredenzt werden. Dazu bedarf es natürlich gutes Material. Die Auswahl der langlebigen Make-up-Pinsel sind dabei eine Religion für sich, denn erst durch diese bekommen die Künstler ihre ganz besondere Ausstrahlung.  Ein leider nicht mehr gut erhaltener Pinsel in Form eines denkmalgeschützten Bauwerkes ist der Bierpinsel in Steglitz. Er ist 47 Meter hoch und stellt irgendwas zwischen Futurama und Popartarchitektur aus den 70er dar. Die volkstümliche Benennung entstammt dem Berliner Volksmund da das Gebäude in seiner Fertigstellung wohl mehr einem Rasierpinsel ähnelte. Die Assoziation der Architekten, die den Bau entwarfen, war ein Baum. Ich assoziiere jedoch damit ein echt kultiges Wahrzeichen – eine echte Stadtmarke, die hoffendlich bald saniert wird.

 

 

 

Fazit: Was für eine Show die Berlin dem Fahrradtouristen bieten kann, ohne dabei in Zeitdruck zu geraten. Ich schaue auf die Uhr und es ist noch relativ früh am Morgen!  Zeit die 2te Hälfte der Tour durch Berlin kennenzulernen. Jetzt aber ersmal ein Eis! Ik freu mir!

 

 

 

Total distance: 95.21 km
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Da es sich um eine Rundtour handelt sind beide
GPX Daten aus Ak1 + Akt 2 die Gleichen!

 

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