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Berlin – ein Zirkus der Superlative – Akt 2

Berlin – ein Zirkus der Superlative – Akt 2. Wie aus der Sichtweise einer großen Zirkusvorstellung verfolge ich mit dem Rad einzelne Stadtionen aus Berlin. Dabei stellt sich heraus, dass Berlin selbst wohl sein bester Artist ist. Mit dem Abschied vom Bierpinsel beginnt der 2. Akt der Vorstellung und ich bin gespannt welche Vorstellungen ich heute noch zu sehen bekomme. Ich radle weiter durch die City Friedenau bis Lichterfelde und später ein Stück am Teltowkanal entlang. >>Der Teltowkanal ist ein 38,39 Kilometer langer Kanal in Berlin und dem südlichen Berliner Umland, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts angelegt wurde. Er verbindet die Spree-Oder-Wasserstraße mit der Unteren Havel-Wasserstraße . Als Bundeswasserstraße der Wasserstraßenklasse IV mit Einschränkungen verläuft der Kanal durch die Bundesländer Berlin und Brandenburg und bildet teilweise ihre Landesgrenze.<< Quelle: Wikipedia

Direkt am Teltowkanal stich ein Gebäude ins Auge, welches sich durch seine Architektur und Fassadengestaltung von allen anderen Gebäuden drastisch abhebt. Es ist das Campus Benjamin Franklin welches mittlerweile zur Charité gehört.

 

 

>>Nach dem Krieg und der Teilung Berlins hatte der Westteil der Stadt keine Universität mehr, da die ehemalige Friedrich-Wilhelms-Universität im sowjetischen Sektor beheimatet war. Als Gegenstück wurde 1948 die “Freie Universität Berlin” gegründet. Ihre Medizinische Fakultät nutzte zunächst städtische Krankenhäuser Westberlins. 1958 beschloss man den Bau eines eigenen großen Krankenhauskomplexes. Im Süden Berlins entstand zwischen 1959 und 1969 das “Klinikum Steglitz”. An den Baukosten beteiligten sich zu rund einem Fünftel die USA, ein “Beweis des amerikanischen Interesses an der Zukunft Berlins”. Realisiert wurde der erste große Krankenhauskomplex Europas, der als Kompaktbau alle Institute, Kliniken und Hörsäle unter einem Dach vereinte<< Quelle: Charite.de

 

 

Spannend ist hingegen die seltsam anmutende Fassadengestaltung. >> Imposant ist der durch das Architektenbüro Curtis und Davis aus New Orleans geplante Bau seit jeher: Allein 115.000 Kubikmeter Beton sowie 8.700 Tonnen Stahl formen den rohen Korpus des Hauptgebäudes. Die Fassade, der sogenannte Screen, der in seiner Struktur der menschlichen Wirbelsäule nachempfunden ist und zudem die Temperatur des Gebäudes reguliert, beläuft sich auf 10.000 Quadratmeter. << Quelle: Charite.de

Ein Zirkus lebt mit seinem Programm. Und dieses kann sehr vielfältig sein. Ob wilde Tiere, verrückte bzw. erstaunliche Darbietungen oder atemberaubende Akrobatik in der Höhe, stets gibt es für den Zuschauer einen besonderen Nervenkitzel. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Es sind die Situationen, in denen sich die Akrobaten oder Darsteller begeben, die uns Besuchern den Atem stocken lassen. Genauso verhält es sich mit den menschlichen Urgedanken fliegen zu können!

 

 

Ich überquere den Teltowkanal und komme auf die Eduard-Spranger-Promenade, einer kleinen parkähnlichen Fläche, wo auch ein tolles Denkmal steht, das 1914 zu Ehren des ersten Fliegers Otto Lilienthal errichtet worden ist. Fliegen wie die Vögel! Otto Lilienthal, der Flugpionier, testete seine Flugapparate auch in Lichterfelde. Der Vogelflug faszinierte ihn bis hin zum Bau von künstlichen Flügelsätzen mithilfe seines Bruders Gustav. Es gibt keine Beweise dafür, dass diese frühen Flugmaschinen funktionieren, aber sie haben Lilienthal auf einen Weg gebracht, der das Fliegen schließlich in menschliche Hände legen würde. Etwas südlicher gibt es auch den bekannten „Fliegeberg“ Dieser Berg wurde von Lilienthal zu Testzwecken gebaut und genutzt. Da der Berg logischerweise etwas höher war, zog Lilienthal mit seinen Versuchen natürlich stets unglaubliche Menschenmassen an. Durch seine ersten geglückten „Gleitflüge“ auf kurzer Distanz wurde er schnell Weltweit auch „Glider King“ bekannt.

 

Am Ende der Eduard-Spranger-Promenade/Ecke Königsberger Straße stoße ich bei erneuter Überquerung des Teltowkanal auf einer kleinen Lokomotive in einem Glaskasten. Diese Lokomotive ist ein originaler Nachbau einer Treidelbahn. Diese Modelle kamen im 19. Jahrhundert am Teltowkanal zum Einsatz um die Lasten- und Frachtschiffe zu Treideln. Der Teltowkanal war in seiner Beckenbeschaffenheit sehr sandig, und die Uferböschung ebenfalls sehr empfindlich, sodass die Last- oder Frachtschiffe nicht mit ihren eigenen meist Dampf-Motoren den Kanal befahren konnten. Die Schiffsschraube hätte den sandigen Untergrund extrem aufgewühlt und die Böschungen durch den Wellengang sehr schnell beschädigt. Somit wurden die Schiffe vorab mit Pferden getreidelt. Mit Zeiten der Elektrifizierung wurden jedoch die Pferde gegen diese kleinen Lokomotiven ausgetauscht.

 

 

Das Treideln (Schleppen) war nicht nur an kleinen Kanälen üblich, vielmehr beobachtet man diese Situation auch heute täglich an den großen Häfen, wo jedoch die „Schlepperschiffe“ die großen Pötte auf Wasser in den Hafen schleppen. Im Krieg wurde die Treidelbahn fast vollständig zerstört. Die Wichtigkeit des „Wiederaufbaus“ priorisierte sich nach dem Krieg jedoch nicht mehr in die Treidelbahn da andere Projekte Vorrang hatten. Leider waren die Scheiben derart verschmiert, dass eine Sicht auf der nachgebauten Treidellokomotive kaum möglich war.

Ich fahre weiter nordwärts durch die Stadt von Lichterfelde nach Dahlem- Kurz hinter Dahlem wird es waldig. Schlagartig klauen die Bäume die Akustik der Stadt, und es gibt wieder Vögel zu hören. Es tut gut eine etwas leisere Strecke zu fahren – frei von Autos jedoch mit viel „Grün“ links und rechts. Auf dem Weg entlang dem Grunewaldsees gibt es viele Menschen  die die Parkanlagen zur Freizeit- oder Sportgestaltung nutzen.

 

 

Es wirkt schon fast alles zu idyllisch. Spätestens beim Hundekehlesee hat die Natur aber einen fest im Griff. Nur die Villen oder die besonderen Architektenhäuser am anderen Ende des Sees lassen erahnen, wie exklusiv diese Region in Wirklichkeit ist.

 

 

Wenn ein Zirkus allzeit Freude bereitet dann liegt es manchmal auch nahe das sich hinter scheinbarer Sonne auch viel Schatten verbergen kann. Auch in der Geschichte des Zirkus gab es zwischen 1870 und 1940 (aus heutiger Sicht) sehr düstere Zeiten, wo Diskriminierung, Menschenverachtung toleriert und erwünscht waren. Die Rede ist von den sogenannten Völkerschauen. Hier war es nicht unüblich dass ein Zirkus zu einem Menschenzoo wurde.

 

>>Völkerschau (auch Kolonialausstellung oder Kolonialschau und Menschenzoo genannt) bezeichnet eine zooartige Zurschaustellung von Angehörigen eines fremden Volkes gegen Eintrittsgebühren. Blütezeit der Völkerschauen in Europa war zwischen 1870 und 1940. Allein in Deutschland wurden in dieser Zeit über 300 außereuropäische Menschengruppen vorgeführt. Teilweise wurden in diesen Völkerschauen und Kolonialschauen gleichzeitig über 100 Menschen zur Schau gestellt. Diese Zurschaustellung waren Massenveranstaltungen, die ein millionenfaches Publikum in Europa und Nordamerika anlockten. Sie fanden auch abseits der Großstädte in mittelgroßen und kleinen Städten statt. Entdeckungsreisende brachten von ihren Unternehmungen ab dem 15. Jahrhundert Menschen aus fernen Ländern nach Europa, die zunächst Adeligen und reichen Kaufleuten gezeigt wurden. Die Entdecker wollten ihren Erfolg belegen und die Obrigkeit reklamierte ihre Besitzansprüche und wollte ihre Weltoffenheit und ihren Reichtum demonstrieren. Im 19. Jahrhundert entstand ein Geschäftszweig, in dem nicht nur einzelne Menschen oder kleine Gruppen aus den entferntesten Gebieten der Erde vorgestellt wurden, sondern diese Veranstaltungen, von denen einzelne bis zu 60.000 Menschen besuchten, erbrachten den Veranstaltern beträchtliche Gewinne. Der sich in jener Zeit entwickelnde europäische Kolonialismus wollte mit Völkerschauen bzw. Kolonialschauen zeigen, dass Kolonien auch für das Volk von Vorteil sein können…<< Quelle: wikipedia

 

 

Ich erreiche den Bahnhof Grunewald wo am 18. Oktober 1941 der erste „Osttransport“ die Juden aus Berlin deportierten. Mehr als 1000 jüdische Kinder, Frauen und Männer sollten in diesem ersten Zug in Richtung Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager gefahren werden. Insgesamt wurden in der NS-Zeit mehr als 50.000 Berliner Juden ermordet. Am Bahnhof von Grunewald wird an die Deportationen mit dem Denkmal „Gleis 17“ erinnert. Auch möchte das Mahnmal an die Rolle der Reichsbahn im Dritten Reich erinnern.

 

 

Etwas abgelegen und Menschenleer „finde“ ich auch das tatsächliche Gleis. Meine Stimmung ist bedrückend und ich steige ab, um mich ein wenig mit dem Rad an der Hand umzusehen. Große Stahlmatten, die in dem Boden eingelassen sind zeigen die jeweiligen Fahrten mit Datum und Ankunft am Gleis-Steig an. Auch wenn ich die damalige Situation niemals begreifen werde ist es in unserer heutigen teilweisen chaotischen Zeit umso wichtiger stets an diese furchtbare Zeit zu erinnern!

 

 

Zeit für eine Pause. Am Haupteingang vom Grunewalder Bahnhof ist meine Stimmung wieder besser. Hier gibt es einen schönen Saft-Laden der neben frischem Obst, und Süßwaren auch Eis und Getränke anbietet. Ich suche mir ein schattiges Plätzchen, genieße meine neu erworbenen Schokokekse nebst einer Tasse Kaffee – Herrlich! Und gleich vielleicht noch ein Schokoladeneis?
Vom Grunewalder Bahnhof fahre ich in Richtung Teufelsberg. Der Teufelsberg ist für mich in diesem Berlin Tripp DAS Highlight schlechthin!

 

 

Der Teufelsberg ist ein künstlicher Berg, der sich im Bezirk Grunewald in West-Berlin befindet. Mit einer Höhe von 120 Metern ist er der höchste Ort Berlins. Benannt wurde er nach dem im Süden gelegenen Teufelssee. Vor der Entstehung des Hügels bot dieses Gebiet den Besuchern die natürliche Schönheit des Grunewaldes. Selbst als Berlin erheblich wuchs, war dieser Teil Deutschlands nicht bebaut. 1933 kamen die Nazis an die Macht und entwickelten einen Plan zur Neuordnung Berlins. Der Bau eines riesigen Militärinstituts begann an diesem Ort, musste aber bei Kriegsausbruch aufgegeben werden. Während des Krieges wurde das Institut bombardiert und zur Hälfte zerstört. Nach dem Krieg wurde beschlossen, die Überreste der Struktur zu sprengen. Dieses Gebiet wurde dann nach dem Krieg als Deponie für die Trümmer und Ruinen Berlins genutzt.

>>Eine Nutzung als Freizeitgelände mit Skihang und Rodelbahn war geplant, wurde aber nicht umgesetzt, da die Amerikaner den Berg als Abhörstation nutzten. Die anfangs mobile Station wurde durch eine feste Installation ersetzt, der Teufelsberg bekam sein bis heute erhaltenes Erkennungsmerkmal: die fünf Radarkuppeln. Mit dem Ende des Kalten Krieges und dem Fall der Berliner Mauer wurde die Station von den Amerikanern aufgegeben und die elektronischen Einrichtungen entfernt. Die Radaranlagen konnten aber noch eine Zeit lang als zivile Luftüberwachung für den Flugverkehr genutzt werden. Zwischenzeitlich war die ehemalige Abhörstation an einen privaten Investor verkauft worden. Die Planungen für eine exklusive Wohnanlage, ein Museum und ein Hotel- und Tagungszentrum aber scheiterten. Heute ist der Teufelsberg vor allem bei Mountainbikern, Wanderern, Gleitschirmfliegern und natürlich auch Sonnenanbetern beliebt. Im Sommer lassen sich hier wunderschöne Sonnenuntergänge genießen. Im Winter ist der kleine Skihang gut besucht und auch die Langlauf-Loipe lädt zum Wintersport ein – sollte denn einmal Schnee liegen>> Quelle: Berlin.de

Kurz bevor ich den bunten Eingang erblicke, geht es aber nochmal flink im „Zick Zack“ bergauf. Oben angekommen werde ich nett begrüßt und man erklärt mir die Zahlungsmodalitäten um das Gelände betreten zu können. Erst jetzt fällt mir auf, dass ich gar kein Fahrradschloss dabei habe. Bevor die Expedition durch das interessante Gelände jedoch zum Scheitern kommt, lerne ich eine junge Radfahrerin (zum Glück) mit Fahrradschloss kennen, die ich mit meinen noch übrig gebliebenen Schokokeksen bestechen kann, die Räder gemeinschaftlich abzuschließen. Wir entscheiden uns, gemeinsam das Gelände zu erforschen. Mit ihrem Pinken “Giro” Helm und dem wunderschön restaurierten Peugeot Rennrad, sind wir schnell im Thema und gemeinsam kommen wir sprichwörtlich “Von Höcksken auf Stöcksken”.

 

 

Die Innereien der ehemaligen Abhörstation bzw. das, was davon noch gebäudetechnisch übrig ist, ist sehr imposant. Es gibt viele leere Räume / Hallen oder Räume wo irgendwelche zusammengesuchte Möbel ihr Dasein fristen. An allen Wänden sind unzählige Graffiti, die eine Geschichte erzählen möchten. Es entwickeln sich wunderbare Sichtachsen und aus den Fenstern und Löchern erblicke ich immer neue Perspektiven auf das Gelände. Auch der Wind lässt sich nicht lumpen, und zieht mit einer besonderen Kühle extrem durch das gesamte Gebäude.

 

 

Ein unbekannter brummelnder Ton beschallt die ganze Anlage. Oben auf dem Dach, wo die alten Radarkuppeln befestigt sind, hängen die mittlerweile bunten und zerfetzten Radarverkleidungen im Wind. Damit ist dann auch die merkwürdige Beschallung geklärt, die im „freien“ noch ein vielfaches lauter wird. Belohnt wird man jedoch von einer besonderen Aussicht, die noch viel mehr hergibt, als ich mir vor dem Betreten je versprochen hätte! Sagenhaft!

 

 

Auf der einen Seite den Blick in Richtung Berlin und die andere Seite über den Grunewald. In der Mitte von Dach die riesigen und löcherigen Kugelkonstrukte der Radarschutzhüllen in ihrem Metallskelett. Mich erinnern diese Metallkugeln sofort an der Todeskugel vom Zirkus Flic-Flac. Zirkus Flic Flac mit seinem schwarz gelben Zelt und den fliegenden Artisten ist weit über seine Grenzen bekannt – er zieht die Massen an. Bekannt für spektakuläre Sprünge mit Motorrädern und ästhetische Hochseil-Artisten gab es immer eine Metallkugel für die besonderen Motorradstunts. In der „Globe of Speed“, der früheren „Todeskugel“ passierten sogar Unfälle während der Shows, sodass dieses das Ende der Todeskugel bedeutete.

 

 

Hier verweilen wir eine ganze Zeit, und schauen uns nicht nur die Aussicht, sondern auch viele kleine Details vor Ort an. Es gibt so viel Graffiti, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Auch die Kunststofffetzen an der Außenhülle sind zum Teil bemalt oder für irgendeine Kunstdarbietung zweckentfremdet. In der Ferne erblicke ich sogar den Grunewaldturm. Im ausgedehnten Grunewald überragt er mit seinen 55 Metern jegliche Baumwipfel. Der Turm aus rotem Backstein ist Denkmal, Aussichtsturm und Ausflugsziel zugleich.

 

 

Ich verabschiede mich wieder von meiner kurzweiligen sympathischen Bekanntschaft, und fahre mit dem Bike vom Teufelsberg aus auf der andren Seite wieder herunter. Hier ist es fast wie auf einem Trail! Über Stock und Stein fahre ich über die vielen Waldwege vom Grunewald, die mich schließlich nach einer ganzen Weile an die Havel führen. Über den “Havelhöhenweg” erreiche ich die Unterführung der Autobahn 115 und komme am Schlachtensee aus, dessen schönes Ufer mich noch eine ganze Weile begleiten will.

 

 

Da wo der Schlachtensee über den Wolfsschluchtkanal in die „Krumme Lanke“ übergeht trennen sich jedoch unsere Wege und nach einer kurzen Zeit stehe ich (zuerst unbewusst) inmitten der ehemaligen SS-Kameradschaftssiedlung & Waldsiedlung Krumme Lanke.

Die Waldsiedlung Krumme Lanke, wurde von der GAGFAH als “SS-Kameradschaftssiedlung Berlin-Zehlendorf an der Krummen Lanke” 1938–40 gebaut. Das damalige, von SS-Führer Heinrich Himmler erklärte Ziel war, “für die drei SS-Hauptämter in Berlin eine geschlossene Siedlungsanlage zu schaffen, in der die Angehörigen der SS ausreichenden und gesunden Wohnraum finden, der insbesondere den Aufstieg der Familien zu fördern geeignet ist.” Mehrere hundert Wohneinheiten befinden sich in Geschossbauten (für die Mannschaften), Reihenhäusern (für die Unteroffiziere) und Einfamilienhäusern (für die Offiziere), mit Putz, Satteldach, Biberschwanzziegel, holzverkleidete Gauben, Fensterläden, Sprossenfenster, Blumenerker in den Farben rotbraun, dunkelgrün und dunkelblau.

 

 

Alle Gebäude entsprechen dem konservativen Heimatstil, sowohl städtebaulich (z. B. zentraler Platz als Dorfanger) als auch architektonisch. Nach Kriegsende ordneten die Alliierten an, dass nur Opfer des Naziregimes einziehen durften: Häftlinge der Lager und Zuchthäuser, Widerstandskämpfer, ausgebombte Nazigegner, jüdische illegale und politische Emigranten. Die Waldsiedlung Krumme Lanke befindet sich westlich der Waldsiedlung Zehlendorf (Onkel Toms Hütte), einer der großen Reformwohnungssiedlungen der GEHAG, die zwischen 1926 und 1932 entstand. Die GAGFAH: 1918 wurde die gemeinnützige Aktien-Gesellschaft für Angestellten-Heimstätten gegründet. Mit 82.000 Wohnungen im eigenen Bestand ist die GAGFAH die viertgrößte Wohnungsgesellschaft der BRD. Die Siedlung erhielt den heutigen Namen. Von den ursprünglichen Straßenbezeichnungen blieben ‘Himmelsteig’ und ‘Im Kinderland’ übrig. 1992 wurde die Siedlung unter Denkmalschutz gestellt. Mitte Juni 2004 übernahm der US-Beteiligungsfonds Fortress die GAGFAH von der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA)

Schnell verlasse ich diese schöne, aber gruselige Kulisse! Über Zehlendorf fahre ich südöstlich durch viele ältere Straßen, dann aber mit einer großen Schleife über Lankwitz wieder in Richtung Teltowkanal. Die vielen Fliederbäume in den Straßen sind eine wahre Pracht- weniger das mitunter brutal anmutende Kopfsteinpflaster, welches meinen Hintern ganz schön durchrüttelt. Ich beobachte die alten Gebäude, die kleinen Straßen mit Ihren Gassen, sowie das bunte Alltagstreiben der Einwohner.

 

 

Entlang dem Teltowkanal fahre ich zwischen den Stadtteilen Mariendorf / Tempelhof– Britz/Neukölln in Richtung Baumschulenweg, wo ich nach einiger Zeit auch die endlich die Spree erreiche.

 

 

Am Forst Plänterwald, wo sich auch der ehemalige DDR-Freizeitpark „Spreepark Plänterwald“ befindet, komme ich zu meinem letzten Ziel. Es ist die Insel der Jugend, die am Treptower Park durch Ihre Abtei-Brücke eine besondere Aufmerksamkeit erhält.

 

 

Die Abtei-Brücke gilt als älteste Stahlverbundbrücke Deutschlands. Aus meiner Perspektive erscheint sie jedoch wie ein riesiger Hochseilakt. Sie ist der einzige Zugang zur Insel. Hat man erstmals das Ziel erreicht, so findet man den perfekten Ort für ein Picknick direkt an der Spree. Ich entscheide mich dafür die Insel nicht mehr zu Besuchen, den meine Beine haben irgendwie keine Lust mehr. Ich entscheide mich am Ufer zwischen den Booten eine Pause zu machen. Ich beobachte ein wenig das „Geschehen“ und diese schöne Ecke. Wenn man die Picknickdecken hier vor der Insel zählt, und diese durch deren gelassenen und relaxten Nutzer teilt, so schleicht mir die Erkenntnis ein, dass dieser Platz wohl einer der romantischsten Teile von Berlin sein muss.

 

 

Ich hingegen bin heute sprichwörtlich „Gerädert“ und mein Kopf ist noch voller Eindrücke, die gerne verarbeitet werden möchten. Durch den Treptower Park fahre ich nicht. Ich nehme mein Rad an die Hand, und laufe entlang der Promenade. Viele Büdchen stehen hier in Reihe und bieten Getränke und Speisen an. Der Park ist sehr gut besucht und auch ich freue mich später auf ein echtes Berliner Hopfengetränk. Am Ende des Parks schwinge ich mich dann wieder auf meinem Radel und fahre ganz gemütlich die letzten Kilometer mit tiefliegender Sonne. Die Spree Atmosphäre bleibt mir dabei erhalten, und ich genieße die letzten Kilometer zurück zu Startpunkt.

 

 

 

Fazit: “Muskelkater – ik hör dir trapsen ! “ Was für ein wunderbarer Fahrradtag in Berlin! Während mein Fahrradherz immer noch Lapaloma schlägt, bilden meine Beine gerade einen körpereigenen Betriebsrat! Selten habe ich eine so schöne Tagestour gemacht, die so intensiv und zeitgleich charmant war. Berlin ist und bleibt ein Zirkus par excellence, der die Menschen zum Lachen und zum Stauen bringt. Mensch, was freue ich wieder dort zu Gast sein zu dürfen!

 

 

Total distance: 95.21 km
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Da es sich um eine Rundtour handelt sind beide
GPX Daten aus Ak1 + Akt 2 die Gleichen!

 

 

 

 

 

 

 

 

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