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Europa-Radbahn Kleve – Ride fat into the sunset!

Europa-Radbahn Kleve – Ride fat into the sunset!  Fahrradfahren –  eine Leidenschaft, eine Erfüllung und manchmal doch nur ein Mittel zum Zweck. Es sei denn es gibt Anlass zu kombinieren, dann kann ein Mittel zum Zweck auch schnell zur neuen Leidenschaft werden.

 

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Heute radle ich die neue  Europa-Radbahn in Kleve entlang. Kleve ist eine kleine Kreisstadt am linken Niederrhein, nahe dem Grenzgebiet zu den Niederlanden. Ihr direkter großer Nachbar: Die Universitätsstadt Nimwegen. (NL: Nijmegen). Hier in Kleve ist alles sehr ländlich und die Radkultur entspricht in vielen Dingen die den Niederländern. Das Typische Hollandrad dominiert gemeinsam mit den Rennradfahrern die Standard Radwege, und eine moderne Wortwahl  für „Städtisch“ im englischen: „Urban“ findet man bestenfalls als Nachname im örtlichen Telefonbuch. Der Anteil der Pedelecs ist hingegen sehr hoch, denn der Wind ersetzt in den Niederungen oftmals so manche lange Steigungen. Die Europa-Radbahn Kleve ist ein recht „frisches“ Projekt und Stück für Stück zeigt sie nun nach Fertigstellung, wie wichtig Schnellverbindungen für Radfahrer sein können.

Die junge Hochschule Rhein-Waal mit ihrem tollen Campus ist schon seit langem ein toller Hot Spot der Stadt Kleve geworden. Mit Ihrem modernen (tatsächlich Urbanen) Baustil veränderte sich auch das angrenzende Stadtbild und mit fast 8000 Studenten bekam die Region schon richtigen Universitätscharakter.

 

 

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten: Z.B. im öffentlichen Personennahverkehr. Busse und Bahnen fahren höchsten halbstündlich und auch nicht flächendeckend, somit ist die fehlende unabhängige Mobilität schon seit langem zu einem Dauerthema geworden.  Hier können jedoch das Fahrrad und Europa-Radbahn Kleve eine wichtige Lücke schließen, es sei denn das Fahrrad kann vollständig in die weiterführende Mobilität integriert werden. Besonders der Personennahverkehr tut sich schwer in der Mitnahme von Fahrrädern. Sie sind unhandlich und sperrig und gerade im Bus- und Bahnverkehr nur unter besonderen  Bedingungen mitführbar. Somit bleibt das Fahrrad oft zu Hause, und man ist dem  Personennahverkehr mit all seinen Problemzonen in den angrenzenden Städten ausgeliefert. Ein Teil zur weiterführenden Lösung könnte ein Faltfahrrad sein. Dieses gilt im zusammengefalteten Zustand (bis 20“ Reifengröße) als Gepäckstück und kann eine wichtige Hürde im Nah- oder Fernverkehr überwinden. Auch passt es prima in fast jedem Kofferraum.

Leider gelten Falträder in der Regel als ungewöhnlich und oftmals nur  als innerstädtisches Behelfsmittel. Man sagt ihnen pragmatische Technik nach und überhaupt sind sie durch Ihre Bauform eine seltene Erscheinung im Straßenverkehr. Kleine Reifen, ein hoher Sattel und die gemischte Bauform aus Kinder- und Erwachsenenfahrrad machen Ihren Ruf nicht wirklich populärer.

 

Mit meinem Uni Maxi starte ich in Kleve am Campus der Fachhochschule Kleve. Das UNI MAXI ist eine besondere Faltradvariante vom Berliner Hersteller Urban Drivestyle. Dieses optisch ansprechende Lifstyle – Falt oder Klapp- Bike ist mit sogenannten Fat- Wheels ausgestattet, es hat einen Elektro-Motor, gilt als zugelassenen Pedelec und soll die Lücke zwischen Freizeit- und Alltagsnutzung  imUrbanen Umfeld schließen. Per Zufall bin ich auf dieses Rad gestoßen und es ist nur eins von vielen coolen Rädern die der Berliner Hersteller baut. Heute wird es jedoch seiner Bestimmung etwas zweckendfremdet, aber ich bin mir sicher, dass es auch im Ländlichen Bereich eine gute Form abgeben wird.

 

 

 

Die Europa-Radbahn Kleve ist seit Juli 2019 fertiggestellt. Sie entstand auf ca. 12 km bis zur Gemeinde Kranenburg, entlang einer stillgelegten Bahntrasse, die zurzeit im Draisinenverkehr touristisch genutzt wird. Als schnelle und komfortable Trasse lockt sie zum Umstieg auf das Rad und ist zugeschnitten auf die Region. Der Radweg ist ein wichtiger Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz, zur Radverkehrsförderung sowie zur nachhaltigen und grenzüberschreitenden Erschließung der Region. Absolut eben ist der Asphalt und ihre breite ist trotz dem noch bestehenden Gleisbett für die Draisinen mehr als überzeugend.

 

 

 

Ich radle den ersten Teilabschnitt und stelle schnell fest dass der Radler eine „grüne Welle“ genießt. Mit dem Passieren des Draisinenbahnhofes an dem Unigebäude sieht man schon von weitem die Sensoren über den Ampelanlagen. Nähert man sich diesen, so wird der kreuzende KFZ – Verkehr durch eine Ampelschaltung sofort zum Anhalten gezwungen.  Die Radbahn führt  mich abseits vom Stadtgeschehen in die ländlichen Regionen. Als optisches Highlight bildet dabei sicherlich die Sichtachse auf den Forstgarten in Kleve mit Blick auf die Wasserspiele und den Kupfernen Kopf.  Links und rechts gibt es danach viele Felder, und hier und da gibt es auch einige Biotopsabschnitte.

 

>>Auch die Ränder der Strecke sind beachtenswert. Sie bieten heimischen Vögeln und Insekten Schutz und Nahrung. Bei der Bepflanzung wurden z. B. durchgängig regionale und krautreiche Mischungen verwendet. Auch da, wo Nutzflächen für Lagerung und Zufahrten eine höhere Bepflanzung verhindern, wurden schmetterlings- und wildbienenfreundliche Samenmischungen aus der Region benutzt. << Quelle: Stadt Kleve

 

Auf einer durchgehende  Beleuchtung wurde jedoch aus Rücksicht zur Natur verzichtet. Da wo aber eine Beleuchtung zwingend notwendig erscheint, wurden blendfreie Laternen montiert. Sie vermeiden den Anflug von Insekten und Fledermäusen. E-Pedelecs und E-Bikes mit einer höheren Unterstützungsleistung als bis zu 25 Stundenkilometer und andere motorisierte Gefährte dürfen allerdings nicht auf der Europa-RadBahn fahren – sie müssen die Straßen nutzen.

Mir macht es richtig viel Spaß auf der Europa-RadBahn zu fahren. Die breiten Reifen vom Uni Maxi –Faltrad  sind wie geschaffen für den Belag, und der Motor schiebt leise aber kraftvoll. Ich merke, dass ich aus meinem klassischen Radel- Rhythmus immer mehr in einem zügigen und bequemen Cruiser Rhythmus verfalle.

 

 

Auch wenn auf der Europa-RadBahn schon richtig was los ist, ist es für mich sehr entspannend.  Da die Bundesstraße unweit der RadBahn fast parallel verläuft, könnte ich jetzt im Falle einer Wetterveränderung auch jederzeit auf den Busverkehr  umsteigen. Klasse! Ab und an kommt mir heute auch eine Draisine entgegen. Dort ist die Stimmung auch super, und mit meinem „außergewöhnlichen“ Falt-Bike bin ich es diesmal, der die Blicke auf sich zieht!

Schon nach knapp 20 Minuten bin ich in der Gemeinde Kranenburg angekommen. Der alte ehemalige Bahnhof von Kranenburg wird unter anderem als Zwischenbahnhof für die Draisinen genutzt. Von hier kann man mit der Draisine wider in Richtung Kleve, oder ins niederländische Nachbardorf Groesbeek fahren. Auch dient der Bahnhof als Touristenzentrum der Gemeinde Kranenburg und ein Caffee im alten Wartebereich am Gleisbett lädt zum Verweilen ein.

 

 

In Kranenburg endet jedoch die Europa-RadBahn, aber ein nahtloser Übergang weiter in Richtung Nijmegen ist natürlich gegeben. Ab hier ändert auch der Radweg seine Form. Der Aalglatte Asphalt wechselt um halbe Breite gegen 15 cm dicke Betonplatten die wie eine Endlosschnur aneinandergereiht sind. Auch hier lässt sich sehr erhaben fahren, jedoch wird bedingt durch die halbe Breite mehr Umsicht gefordert.

 

Anmerkung: Sollte meine nachfolgenden Generationen jemals den Beton – Radweg nutzen (gegebenenfalls mit einem Gleiter oder ähnlichem) so sei eins schon heute vorausgesagt: Unkraut wird es dort auf der Fahrbahn nie mehr geben!

Ich passiere die „Grenze“ und fahre weiter in Richtung Groesbeek. Hier hat der Radfahrer (entgegen der typischen Niederländischen Fahrradverkehrsführung) KEINE Vorfahrt gegenüber dem kreuzenden KFZ! Dennoch ist es irgendwie scharmant, da der KFZ – Verkehr wie  selbstverständlich den Radlern die Vorfahrt gewährt.

 

Später die kleine Stadt Groesbeek. Hier endet bzw. startet auch die Draisinenstrecke in Richtung Kranenburg. Auf dem Marktplatz sind einige Menge Caffees und ich spüre sofort die „Gelassenheit“ der Niederländer. Keine Hektik weit und breit! Ich überquere die Straßenhauptader des Dorfes und fahre weiter auf dem gleichen Radweg in Richtung  Nijmegen. Von jetzt an soll es ein wenig hügeliger werden! Mit der Gangschaltung des Uni Maxi Rades komme ich sehr gut klar, und der Weg führt mich weiter durch Wald und Wiesengebiet.

 

 

Lange war der Radweg ab Groesbeek gesperrt. Seltene Tierarten wollten geschützt werden, so dass die alte Strecke oftmals nur Holperich durch den Wald zu passieren war. Schlangen, Echsen und Kröten waren zu Recht die Ursache der Vollsperrung. Nun hat man in einer sehr aufwendigen Bauweise Unterführungen für die Tiere geschaffen, und ein „Krötenzaun“ hält die Tiere vom Radweg fern.

 

 

Nach einer längeren Wald-Passage mit einem Sanddünen – artigen Umfeld  endet jedoch der Beton Weg, mit dem Zeichen das ich die Stadtgrenze von Nijmegen erreicht habe. Ab hier wird es sehr „Stättisch“ und der Radweg verwandelt sich nach einer kleinen Durchfahrt in einer Studentensiedlung schlagartig in einer separaten „Radfahrautobahn“. Mein Umfeld wechselt in einer Kulisse, die schon sehr einzigartig ist. Wo ich gerade noch die ländliche Atmosphäre genoss, düse ich nun zwischen sehr Modernen Bauten und alten Universitätsgebäuden.

 

Die Stadt Nijmegen mit Ihren knapp 180.000 Einwohnern  ist ein totaler Mix aus Alt und Neu! Hier lebt der Livestyle und die Stadt vermittelt eine Aura die seines Gleichen sucht. Das ganze Streckenverkehrsnetz ist unterteilt zwischen Radfahrautobahnen, separaten Buss- und Zugtrecken sowie Auto und Schiffverkehr. Nijmegen gilt als die älteste Stadt der Niederlande. Schaut man sich jedoch die jungen und teilweise supermodernen Gebäude an, so kann man es fast nicht glauben.

 

Direkt an der Fahrradautobahn findet sich auch der neue Bahnhof. Der PKW Verkehr wurde dort größtenteils Verdrängt und es ist eine wahre Freude so durch die Stadt zu fahren. Spätestens hier könnte man den weiterführenden Zugverkehr prima mit dem Faltrad nutzen. Oder vielleicht lieber auf einen Tripp in die Altstadt, ans Wasser oder direkt aufs Unigelände?

Apropos Falt- Rad. Sogar in einem „Fahrradverrückten Land“ wie den Niederlanden, wo so manche außergewöhnliche Räder an der Tagesordnung sind,  ziehen viele Blicke auf das MAXI UNI Falt – Rad. Mache ich eine Pause, oder hole das Smartphone für ein Foto aus der Tasche, so dauerte es nicht lange dass ich von interessierten Menschen angesprochen werde. Die Idee mit einem „ungewöhnlichen Bike“ die Stadt zu Erkunden und optional die öffentlichen Verkehrsmittel weiter nutzen zu können kommt gut an, und man zeigt mir die gewaltigen Fahrradparkstationen vor dem neuen Bahnhof.

 

 

„Mission anerkannt“ denke ich mir, und gemeinsam mit einem Radpendler aus der Nachbarstadt Arnheim (NL: Arnhem) fahre ich (Nach einem Fahrradtausch) erst ein Stück Innenstadt, später dann über die „Radfahrautobahn“ zur großen Eisenbahnbrücke. Diese Brücke gilt als Schnellverbindung für den Rad- und Zugverkehr in Richtung Arnhem. Ab da trennen uns wieder die Wege, und glücklicherweise auch die Räder!

Ich verlasse die Brücke  und schaue mir die vielen Menschen an, die heute den Nebenarm vom Rhein (NL: Waal) wie ein großes Freibad nutzen.  Über die „klassische“ Waalbrücke geht’s dann wieder zurück in Richtung Zentrum.

 

 

 

Ich schaue auf die Uhr, und stelle fest dass ich doch sehr viel Zeit in Nijmegen verbracht habe. Hat die eigentliche Strecke von Kleve nach Nijmegen nicht einmal eine Stunde gedauert, so ist der jetzige Aufenthalt in Nijmegen mit knapp 5 Stunden doch wie im Flug vergangen. Ich durfte viele Menschen kennenlernen und interessanterweise stand oftmals das Falt-Rad im Focus. Auf dem Rückweg habe ich den Sonnenuntergang im Nacken und mit den Worten  „Ride fat into the sunset!“ komme ich nach 50 Minuten wieder in Kleve an.

Weiterführende Infos:

 

 

 

Urban Drivestyle

Die EUROPA RadBahn Kleve

Die EUROPA RadBahn Kleve YOU TUBE

Die EUROPA RadBahn Kleve FLYER

 

 

 

Fazit: 

„Runter von der Straße, Rauf auf Rad!“ Ich glaube dass die Europa-Radbahn Kleve einen wichtigen Teil zum Umdenken beiträgt! Kleve ist eigentlich schon eine kleine Fahrradstadt, jedoch fehlen hier und da die nötigen Infrastrukturen, wie man sie bei unseren Nachbarn aus den Niederlanden kennt. Touristisch wird die Europa-Radbahn Kleve neben der Draisine schon heute super angenommen. Wer aber auch mit Hilfe eines Faltrades das „Mittel zum Zweck“ macht, wird neben einer tollen Landschaft auch schnell die weiterführenden mobilen Möglichkeiten der Europa-Radbahn zu schätzen wissen.  

 

 

 

Gesamtstrecke: 28.61 km
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