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Fisch & Schipp – Rund um Bremerhaven Teil 1 von 2 : Der Norden

Fisch & Schipp – Rund um Bremerhaven Teil 1 von 2 : Der Norden Ein wenig den Norden mit dem Fahrrad zu erkunden ist für den gemeinen Niederrheiner schon etwas ganz besonderes. „Schiffe Gucken“ kennt man ja vom Rhein, aber mal so richtig dicke “Pötte – Kiecken“ und dabei das Fernweh über sich ergehen zu lassen….

 

Heute bin ich in Bremerhaven, die kleine Schwester von Bremen. Bremerhaven gilt als „einzige deutsche Großstadt an der Nordsee“, sodass man auch gerne Seestadt oder Meermetropole zu ihr sagen darf. Hier werden exakt 3 Sprachen gesprochen: Hochdeutsch, Plattdeutsch und über andere Leute. Wer von weitem das (neue, noch junge) Wahrzeichen, das imposante ATLANTIC Hotel SAIL City Gebäude mit seinem Klimahaus sieht, weiß sofort das er angekommen ist. Ab hier beginnt eine Welt die schon nach Sekunden Lust auf „Meer“ macht!

 

 

Moin! – Es ist gefühlt 8:00 Uhr. Wo bereits im Ruhrgebiet auf der „Hauptschlagader des Wahnsinns“ (A 40) die Arbeitnehmer hektisch im X-ten Stau stehen oder im Süden der Dachdecker bereits nach einem Kundenstreit nervös an seinem Knoppers nagt, um seinen Blutzucker einzurenken, rühre ich gepflegt meinen Kaffee und erfreue mich über das Möwengetöse im Yachthafen von Bremerhaven – denn abgesehen von den Möwen ist es hier noch ziemlich ruhig.

 

 

Die Stadt scheint heute die Schlummer-Taste auszureizen, sodass ich mir vorab eine Übersicht über meine heutige Tour verschaffe. „Lage checken“ denke ich mir insgeheim und stelle zeitgleich fest, das auf dem ca. 30 Meter entfernten Deich zur Weser, der erste Handwerksbetrieb heute die gleichen Attribute pflegt. Das Tagesmotto ist somit geboren: In der Ruhe liegt die Kraft!

 

 

Bremerhaven ist leicht aufzuteilen. Ist im nördlichen Bereich die industrielle Variante der Häfen mit ihrer längsten Stromkaje, den Traumschiffen und der Containerabfertigung anzutreffen, so gibt es etwas östlicher die Häfen für die Autoverschiffung. In der Mitte von Bremerhaven glänzt seit 2007 der „Neue Hafen“ oder besser , die „Hafenwelten“ mit ihren modernen Gebäuden, Hotelanlagen und den vielen Yacht- und Segelbooten. Der südliche Teil ist grob gesagt der Fischereihafen. Hie landen die dicken Hochsee–Trawler und viele weitere Schiffe.

 

 

Der Norden wird heute mein Startpunkt werden und ich schwinge mich auf mein Rad. Weit komme ich jedoch nicht, denn das Spektakel an der ersten Dockschleuse im „Neuen Hafen“ zeigt, das auch schon morgens die Hobbykapitäne mit so manchen Tücken zu kämpfen haben.

 

 

Ich fahre auf dem Deich entlang der Weser. Viele Schlepperboote sind noch geparkt und warten auf die kommenden Tagesaufträge. Von weiten sehe ich die großen Kreuzfahrtschiffe in ihrer „Festgemacht“ Stellung und daneben einen großen „Containerriesen“. Kurz vorm Pingelturm zur Einfahrt in die Kaiserschleuse, beginnt dann mit voller Vorfreude der Start durch das nördliche Hafengebiet.

 

 

 

Direkt die erste Straße im Hafenzollgebiet führt quasi in einer Sackgasse. Eine Brücke, die den normalen Weg freigibt, ist für die Schifffahrt geöffnet. Langsam schiebt sich ein Kastenförmiges Autotransportschiffe (SCHUHKARTON) durch die geöffnete Brücke und zeigt dem wartenden Verkehrsteilnehmer an der Schranke seine merkwürdigen aber eindrucksvollen Dimensionen. Mit einem netten Gruß winken die Mitarbeiter vom Schiff mir zu –  überrascht winke ich aus Reflex verhalten und ein bisschen verlegen zurück.

 

 

 

Nach kurzer Zeit ging es jedoch über einen alternativen Weg weiter. Die Hauptstraße im Hafengebiet ist sehr belebt. Viele LKW´S passieren hier die Strecke, aber zum Glück sind die Radwege gut ausgebaut. Zur Rechten liegen bereits mehrere „kleinere“ Seacruiser und zu linken an der Columbuskaje zwei sehr mächtige „Traumschiffe“ wie man sie nur aus dem Urlaub oder dem TV kennt.

 

 

Mit ein bisschen Glück gelange ich über die Steubenstraße an einen der Beiden schwimmenden Hotels. Näher ran geht´s nicht!  – WOW – Diese Dimensionen möchten erstmals verarbeitet werden! Mit einer Länge von 337 Meter und einer Breite von 42 Meter zählt die IONA zum größten Schiff der P&O-Flotte. Sie ist nach der gleichnamigen schottischen Insel Iona benannt, die für eine malerische Natur und den eindrucksvollen Blick aufs Meer bekannt ist.

 

 

Um ein besonders umweltschonendes Reisen zu ermöglichen wird diese Moderne Schiff vom Baujahr 2020 mit Flüssiggas angetrieben. Fast direkt daneben fängt auch schon die schier endlose Reihe an Containerbrücken an. Die Größe dieser Brücken ist eigentlich kaum noch  zu beschreiben. Es ist schon gewaltig wenn man erst einmal Live davor steht und mit dem Zoom des Fotoapartates  einen Mitarbeiter auf der Treppe ablichtet. Memo an mich selbst: Beim nächsten Besuch unbedingt ein Fernglas mitnehmen!

 

 

 

Am Ende der Nordkaje am Nordhafen liegen die Containerriesen. Hier werden die Schiffe gelöscht oder beladen. Wie ein Uhrwerk rollen die Containerbrücken über die Container und verteilen diese auf auf LKW´s oder Züge.  Was wohl die  Container alles beinhalten? Neben den den ganzen „Krach“gibt es auf jeden Fall eine interessante Farbenvielfalt auf dem Gelände.

 

 

Im Wendebecken lieget heute ein sehr großer „Autoliner“ Auch wenn meine Distanz zum Schiff ein paar hundert Meter beträgt, wirkt alles sehr BIG. Das Beladen der riesigen Autofrachter ist schon eine Kunst für sich. Die Fahrer der PKW´s schauen durch ein winziges Loch denn die meisten Autos sind zum Schutz in Folie eingeschweißt. Auf dem Schiff selbst warten bereits die „Lascher“ auf den höhenverstellbaren Parkdecks, die die wertvolle Fracht mit Gurten festzurren. Die Masse an Fahrzeugen, die im Hafen parken ist kaum zu zählen. Eins ist aber garantiert: Zu „Spitzenzeiten“ befinden sich mehr Fahrzeuge im Hafen, als zugelassene PKW´s in Bremerhaven. Nicht umsonst sagt man auch, dass Bremerhaven der größte Parkplatz der Welt ist. Eine interessante Übersicht wie groß die Parkplatz- und Containerflächen  sind, erhält man übrigens auf Google Maps. HIER mal ein Link dazu!

 

 

 

Ein weiterer Aspekt ist, das natürlich nicht nur Autos verschifft werden. Neben den zahlreichen Containern gibt es auch eine eigene Abteilung für Sondermaschinen. Diese können z. B. aus landwirtschaftlichen Modellen oder Fahrzeugen jeglicher Art bestehen, die die herkömmlichen Maße bei weiten überschreiten. Zum Glück konnte auch ich einen kleinen Blick erhaschen. In meinem Fall waren es Fahrzeuge für den Militäreinsatz.

 

 

Damit diese ganze interne Logistik auch funktioniert, gibt es auf dem gesamten Hafengelände auch sehr viel Güterzugverkehr. Hier sollte man sehr achtsam sein, denn die Schiene hat immer Vorrang zum Straßenverkehr.

 

 

Inmitten aller Kais befindet sich etwas versteckt auch die deutsche Seemannsmission. Der Seemannsclub „Welcome“ ist gerade von Seeleuten zu einem der beliebtesten Clubs weltweit gewählt worden. Viele Gäste, vom Decksmann bis zum Kapitän, kommen jeden Abend zu Besuch. Eine Pause vom eintönigen, anstrengenden Leben an Bord tut da sehr gut!  Billard spielen, ein Bier trinken, Karaoke und das Allerwichtigste: mit der Familie im Heimatland über Internet Kontakt halten.

Kurz dahinter das wohl bekanntestes Restaurant vom Bremerhaven: DIE LETZTE KNEIPE VOR NEW YORK. (Treffpunkt Kaiserhafen). Dieses Restaurant muss jeder gesehen haben, egal ob er aus Bremerhaven, Rotterdam oder aus New York selbst kommt. Es ist einzigartig und der maritime Treffpunkt schlechthin. Vom Hafenarbeiter über Touristein jeder wird den Besuch nicht vergessen! Die letzte Kneipe vor New York HIER als Link.

 

 

Es ist Zeit für die erste Pause!  Aber vor der Türe vom Treffpunkt Kaiserhafen !  – Zu meinem Pech hat die DIE LETZTE KNEIPE VOR NEW YORK leider geschlossen. Ich sammle in wenig meine erlebten Eindrücke und überlege mit einem tiefen Blick in das Hafengelände hinein, wie organisiert hier alles sein muss, damit der tägliche Ablauf im Nordhafen überhaupt reibungslos funktionieren kann.

 

 

Check in & Out der Fahrgäste der Kreuzfahrschiffe, die Lebensmittelversorgung, der präzise Ablauf in der Be- und Entladung der Autotransportschiffe, die Instandhaltung der Anlagen und den vielen Hafenbecken sowie die Verständigung zwischen Bahn – Schiff und LKW Verkehr. Langweilig wirds den Organisatoren jedenfalls nie!

 

Ich fahre noch ein Stück in Richtung Norden. Dann gehts über den Amerikaring wieder zurück. Ab jetzt wird es „Ländlich“. Die Strecke führt entlang unzähliger Autoparkplätze über Brücken und durch kleine Wohnsiedlungen. Alles wirkt sehr idyllisch – nur im Hintergrund sieht man die Maschinerie des Hafens.

 

 

Nach ca. 3 Kilometern beginnt jedoch wieder das eigentliche Stadtleben. Durch das äußere Stadtgebiet gewinne ich noch viele Eindrücke von anderen Hafenbecken. Hier werden Reparaturarbeiten durchgeführt. Das Geräusch von rotierenden Flex Scheiben, wie sie sich durch Stahl schleifen ist sehr Dominat. Auch der Verkehr nimmt drastisch an Geräuschkulisse zu. Aber auch dieser kleine Besuch Im normalen Leben zwischen Discounterhäusern, Ampeln und provisorischen Radwegen gehört dazu. Nach ein paar Kurven wird es jedoch wieder ruhig, denn ich erreiche wieder die Modernen Hafenwelten“.

 

 

In den Hafenwelten gibt es viel zu sehen. Neben dem Klimahaus, Deutsch Auswanderer Haus, Riesenrad und Fischbuden stehen auch die Barkassen, die zu einer Hafenrundfahrt einladen. Auch ein Ausflugsdampfer lädt täglich zur einer größeren Rundfahrt bis Helgoland ein. Direkt am Riesenrad liegen viele kleine altertümliche Boote. Vom ATLANTIC Hotel SAIL City Gebäude aus, gibt es noch zum Abschluss eine tolle Aussicht über das Nordgebiet von Bremerhaven. 

 

 

 

 

Fazit :

Der Norden von Bremerhaven ist wirklich eine Reise mit dem Radel wert. Es gibt abertausende Eindrücke und es ist schier unvorstellbar, welche Dimensionen dort täglich anzutreffen sind. Gefühlt habe ich den Vormittag in 30min erlebt, aber ein Blick auf die Uhr sagt mir das es schon fast Mittag ist. Es wird Zeit den Mittag im südlichen Teil von Bremerhaven zu verbringen !!!

 

 

Total distance: 56.65 km
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