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Gemert – Religion, Syphilis und Mengenlehre

Gemert  – Religion, Syphilis und Mengenlehre. Die Mengenlehre ist ein grundlegendes Teilgebiet der Mathematik, das sich mit der Untersuchung von Mengen, also von Zusammenfassungen von Objekten, beschäftigt. Religionsfreiheit, 3D-Drucker, Syphilis und das Versteck von Dr. Evil sind jetzt nicht gerade Dinge die man mathematisch vereinen könnte! Oder doch?  –

 

Tief im Herzen des „Brabantse Peel“ liegt heute in Noord-Brabant die Ortschaft Gemert, mit einem Schloss, das von der Glaubensgemeinschaft, dem Deutschen Ritterorden um 1400 gebaut wurde.

 

 

Durch den Souveränitätsprozess um 1620 der nicht weniger, vom deutschen Kaiser als auch vom spanischen König durchgesetzt wurde, herrschte auch während des 80 jährigen Krieges in Gemert zu dieser Zeit der Deutsche Ritterorden. Trotz der damaligen kirchlichen Erneuerungsbewegung, der Reformation, wurde in der Ortschaft  Gemert die Religionsfreiheit toleriert. Die Religionsfreiheit war keine Selbstverständlichkeit, denn die Tatsache, dass sowohl die protestantische als auch die katholische Religion im Ort Gemert erlaubt war, und in einer solchen kleinen Stadt noch relativ friedlich ausgeübt werden konnte, war aus damaliger Sicht einzigartig in der Region.

 

 

Leider blieben für mich die Tore geschlossen, und meine heutige erste Tour im Jahr 2019 führt mich durch die moderne Stadt in Richtung Esdonk. Auf der Hälfte der Strecke, passiert man unweigerlich eine kleine unscheinbare orangenfarbige Fahrradbrücke. Diese kleine Brücke über den Peelse-Loop-Kanal ist die weltweit erste Brücke, die jemals aus Stahlbeton 3D-gedruckt wurde. Das machte sie zu einem Meilenstein in der Architektonischen Geschichte!

 

2017 wurde sie eröffnet, und von der technischen Universität Eindhoven in Zusammenarbeit mit der BAM Infra-Baufirma errichtet.  Es wurden etwa 800 Schichten des Betonmaterials gedruckt, das sowohl verstärkt als auch vorgespannt war.  Diese Gebäudestrategie hat einen Hauptvorteil gegenüber Standardverfahren aus Gussform: Sie verwendet weit weniger Beton, was enorm die Ressourcen spart.

 

 

Mit dem Erfolg der Germet-Brücke planen die Forscher nun, noch größere 3D-gedruckte Strukturen zu bauen. Die Designer der Brücke sagen, dass sie bis zu 2,2 Tonnen Gewicht tragen kann, obwohl sie für Radfahrer und Fußgänger gedacht sind.  In einem Land, in dem es mehr Fahrräder als Menschen gibt, fahren täglich hunderte Radfahrer über die „neue“ Brücke. Die Niederlande gehört international zu den Spitzenreitern der 3D-Druck-Technologie.

 

 

Esdonk selbst ist eine kleine Ortschaft die zur Gemeinde Gemert-Bakel gehört. Viel außer der typisch Niederländischen Landschaft gibt es dort nicht zu sehen, aber auch diese kleine Ortschaft hat es zur Pilgerstätte gebracht. Gemeint ist die St. Maria Magdalena Kapelle. Auch die „Nagelkapelle“ genannt.

Neben der Tür am Eingang befindet sich im „Draussenbereich“ ein großes Fenster. Dahinter liegt eine liegende Holzstatue Christi. Für die Statue wurde ein rundes Loch ins Fenster geschnitten. Zwischen Jesus und dem Fenster befindet sich ein Teller, auf dem viele rostige Nägel liegen. Rostige Nägel, weil diese mehr oder weniger das Aussehen von Geschwüren, Pusteln, Ekzemen und anderen Krankheiten haben. Durch das runde Loch im Fenster kann die Person, die die Kapelle besucht, jederzeit einen „rostigen“ Nagel Opfern.  Diese Opfergabe  soll die Genesung unterstützen, oder sogar eine Heilung herbeiführen.

 

 

Die Legende der St. Maria Magdalena Kapelle:  Vor dem Ausbruch des Achtzigjährigen Krieges hätte ein spanischer Soldat der Armee Philipps des Zweiten eine Sünde begangen, indem er einige Zeit in Gemert mit einer fremden Frau wohl mehr als nur ein „Techtelmechtel“ hatte.  Das Ergebnis seiner „Tätigkeit“ mit dieser Frau war, dass er Syphilis bekommen hatte.  Er wurde so krank, dass er um sein Leben fürchtete.  Im Gebet wandte er sich an Maria Magdalena und bat sie um Heilung.  Der Soldat heilte spontan und baute Maria Magdalena, wie versprochen, aus Dankbarkeit eine Kapelle.  Die ursprünglich einfache, aus Lehm errichtete Kapelle wurde vor langer Zeit ersetzt, und zahlreiche Restaurationen haben die Kapelle zu dem gemacht, was sie heute ist.

 

 

Die Stiftung  -Esdonks Kapelleke- veranstaltet jedes Jahr zum Geburtstag Maria Magdalenas eine Open-Air-Messe [Openluchtmis]die von jung und alt stark besucht wird.
Infos und Daten unter: STG. Estonks Kapelleke

 

Zum Glück brauchte ich keinen Nagel. (Trotzen gab mir die volle Schüssel hinter dem Glas einiges zum Schmunzeln) Auf dem Weg nach Handel überlegte ich wie in Deutschland die Nägel „geopfert“ werden: Was ist eigentlich aus dem guten alten Nagelbalken zum Wettnageln geworden? Wird das eigentlich noch praktiziert?

Die Ortschaft „Handel“ wurde kurz nach dem Souveränitätsprozess erstmals erwähnt. Die Reformation hatte aus der Ortschaft einen bedeutenden Wallfahrtsort gemacht. Quelle Wikipedia: >> …entwickelte sich hier eine Verehrung des heiligen Willibrord, dem schon bald eine Kirche geweiht wurde. Im Ort Handel entstand 1368 unter Einfluss des in Gemert herrschenden Deutschen Ordens die heute noch lebendige Tradition der Wallfahrt zur dortigen Liebfrauenkirche.<< 

 

Nach so viel kirchlicher Information, konzentrierte ich mich lieber wieder auf das, was heute Greifbar ist. Ich passierte den Peeldijk, und die Landschaft wurde immer Waldiger. Ich näherte mich dem Stippelberg.  An einem Parkplatz  gab es aus einem Automaten ein Prospekt, welches typische Ortschaft wie folgt beschreibt:

 

>> Die Weite des Stippelbergs begeistert mich jedes Mal.  Sie hören hier keine Stadtgeräusche.  Ob Sie sich für einen Waldspaziergang oder für geschlängelte schmale  Wege entscheiden, oder lieber die schönen Eichen- und Buchenwege entlang spazieren, Sie werden von der Schönheit dieser Gegend begeistert sein.  Und wenn Sie Zeit haben, entdecken Sie die verschiedenen Gesichter des Stippelbergs.<<

 

 

Der Stippelberg verbindet tatsächlich Heide und Wald fast grenzenlos. Auch begann für mich eine neue Off-Grid Periode. Die Wege waren zum Teil nicht passierbar und mein Navi stellte auf Stur! Hier war Improvisation angesagt. Wie es aber der Zufall so möchte, gelangte ich an einem wunderschönen Heideabschnitt, mit einem See, der ehemalig zum Sand- und Kiesabbau genutzt wurde.

 

 

 

 

Unter der Wasseroberfläche Oberfläche befinden sich Erdschichten mit den Mineralen Pyrit und Jarosit. Bei Kontakt mit Sauerstoff bildet sich Schwefelsäure. Durch die tiefe Sand- und Kiesgewinnung ist saures Wasser aus den Erdschichten mit Jarosit in den See geflossen. Als Folge wachsen wenige Pflanzen und Algen im See. Überwältigend ist die blaue bis grüne Farbe des Sees, und auch die Klarheit des Wassers ist faszinierend. Eine Vogelbeobachtungsstation rundete das Erscheinungsbild am See ab. Über 80 Vogelsorten beherbergt der Stippelberg. Heute blieb mir nur ein Blick aufs Wasser. Im Januar bei leichtem Regen nichts Außergewöhnliches.

 

 

 

 

An Bakel vorbei, über den „Grotelsche“ Wald sieht man von weiten schon den mächtigen Mediator am Rande der Ortschaft „De Mortel“. Der Mediator (Spitzname: Die Wurzel von De Mortel) ist ein Frequenz – Übertragungsturm von der Niederländischen Post. (Sparte Mobilfunk)

 

 

 

 

Der Turm ist über 100 Meter hoch und wurde 1990 eröffnet.  Durch seiner surrealen Auffälligkeit und Größe, bietet er mit Sicherheit eine tolle Unterschlupfmöglichkeit für Dr. No, Goldfinger oder Dr. Evil.

 

 

 

 

Fazit

Die Kardinalität  bzw. die Kardinalzahl ist eine Ortschaft! Gemert – Mehr Menge geht nicht! Eine unglaubliche Tour, die so viel zu erzählen hat. Juckt mich doch nicht, bekommt schlagartig eine neue Bedeutung, und das einzige was ich heute Opfern werde ist mein Navi!

 

 

 

 

Gesamtstrecke: 0 km
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