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Hart an der Grenze – Märchenhaftes rund um Bocholt

Es gibt Tage, da zweifelt man an Herrn Plöger. Heute war der Tag, an dem die Sonne den Frühling vorantreiben sollte. So die Voraussage. Aber alles was blieb war eine Mischung aus Frost und T-Shirt Wetter. Nein – so schlimm war es nicht denn der Frühling zeigt sich eigentlich doch von seiner schönen Seite. Mit der kurzen Hose hätte ich vielleicht noch warten können, aber hinterher ist man bekanntlich immer schlauer. Hier und da blüht es und instinktiv weiß man, dass Ostern schon sehr bald vor der Türe steht. Eine ländliche vorösterliche Tour kann somit beginnen!

 

 

Die Stadt Bocholt liegt im westlichen Münsterland im Nordwesten von Nordrhein-Westfalen und ist mit 75.000 Einwohnern die größte kreisangehörige Stadt des Kreises Borken.  Bocholt ist eine Fahrradstadt! Vorbildliche Radwege und eine tolle Radinfrastruktur erkennt man schnell denn hier wir ganz schön viel Rad gefahren! Vom Rathaus aus begleitet mich die Bocholter Aa in Richtung Niederlanden. Es ist sehr ruhig am Fluss, nur das monotone Summen des E-Motors will sich noch nicht  so richtig in die Idylle  integrieren.

 

 

Die erste Ortschaft in den Niederlanden heißt Dinxperlo. Mitten im Industriegebiet von Dinxperlo befindet sich eine kleine Kirche mit dem Namen „De Rietstap“. Das Grundstück, wo heute die Kirche steht, war einst ein Teil einer Erbschaft vom Notar Theodore Marie Theophille te Rietstap. Die Auflage um an das Erbe zu gelangen war mit dem Bau einer Kirche verbunden. Um Geld zu sparen, ließ er die Kirche mit einer Länge von 6,40 m und einer Breite von 4,50 m sehr klein ausfallen. Da das Gebäude aber eine echte Kirche ist, ist es somit tatsächlich die kleinste Kirche der Niederlande.

 

 

Gegenüber von Dinxperlo liegt auf deutscher Seite die Ortschaft Suderwick. Eine Straße trennt beide Länder so dass der Name Dinxperwick entstanden ist. Diese Wortspielerei steht für das Zusammengehörigkeitsgefühl und das gute Verständnis zwischen Institutionen, Vereinen und Einwohnern. Kreuze und Grenzmarkierungen auf der Straße zeigen in welchem Land man sich gerade befindet.

 

 

Zurück auf deutscher Seite fahre ich ein paar Wirtschaftswege die einst als Schmugglerwege genutzt wurden. Das Ziel vor Ort ist die Märchen – Oma. Die leider verstorbene Dame kannte und liebte wohl jeder in der Nachbarschaft. Zahlreiche Figuren aus den Märchen der Brüder Grimm oder von Hans Christian Andersen stehen bei ihr in Hütten im Vorgarten und hinterm Haus. König Drosselbart, die Prinzessin auf der Erbse, der Wolf und die sieben jungen Geißlein, Hans im Glück oder Dornröschen beispielsweise – die Märchenoma hat sie alle selbstgemacht. Und sie erzählte den Besuchern auch die passenden Geschichten dazu. Kostenlos.  Heute sind die Hütten vor der Türe nach wie vor zu bestaunen und es ist überraschend schön zu sehen, wie viele Menschen nach wie vor Ihr Interesse an dem bunten geschmückten Haus zeigen. 

 

 

Über viele ländliche Wege erreiche ich bald das Textilmuseum von Bocholt. Mit seinen zwei Standorten links und rechts des Flusses Aa stellt das TextilWerk Bocholt ein einmaliges historisches Ensemble der Textilproduktion dar. Über 20.000 Spindeln drehten sich einst in der Spinnerei in Bocholt. Auf drei Etagen werden hier Geschichte und Gegenwart des Textilen wieder lebendig. Hinter dem Museum befindet sich das zukünftige „kubaai“ gelände mit seiner wunderschönen Poduim Brücke.

 

 

Bocholt hat eine Vision – kubaai – ein urbanes Kulturquartier beidseits der Bocholter Aa zwischen Innenstadt und Aasee, Industriestraße und Don-Bosco-Straße.  Wo heute alte Produktionshallen und Spinnereigebäude, Maschinenhallen und Schornsteinreste von einer längst vergangenen, blühenden Bocholter Textilproduktion zeugen, sollen künftig in einem urbanen Quartier Menschen arbeiten und wohnen, Freizeit verbringen und Kultur erleben.
Weiter Infos zum kubaai erhälst Du –>HIER<–

 

Folgt man den Aa – Auen, und den Aa – Terassen, so ist man schnell am Aa – See. Am Aa See  hat man verkehrstechnisch  Radfahrer und Fußgänger voneinander getrennt.  Das ist hier in der Region nicht selbstverständlich und ich finde diese Entwicklung  sehr positiv. Jeder hat seinen Bereich, und jeder kann entspannen seine Runde um den Aa See in vollen Zügen genießen.

 

 

 

Fazit

Die Aa als Mittelpunkt dieser Tour enttäuscht nicht. Es ist wunderschön zu sehen wie die Region das Radfahren  unterstützt. Grenzerfahrungen inklusive. Ich freue mich auf weitere Touren im Westmünsterland!

 

 

 

 

volle Distanz: 37.9 km
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