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Rund um Ahaus – Eine Perle zwischen Landleben, Mythen und einer Portion Burgen!

Rund um Ahaus – Eine Perle zwischen Landleben, Mythen und einer Portion Burgen! Wer den Horizont als seinen stetigen Begleiter sieht, und gerne über die nahezu ebenerdigen satten Felder schweift, der ist im Münsterland besonders gut aufgehoben. Ahaus, oder besser gesagt „Eine Tour rund um das Westfälische Ahaus „ beweist wie schön traditionell die Regionen auf dem „Ländle“ funktionieren. Zwischen Wasserschlössern, Obstwiesen, endlos lange Buchenhecken und traumhaften Fahrradwegen zeigt sich die Natur und das Dorfleben als eine ganz besondere Perle!

 

 

Am Stadtrand von Ahaus starte ich meine Tour. Fahre ich anfänglich auf einem Radweg entlang einer Bundesstraße, so wechselt die Strecke schnell über tolle Feldwege. Hier ist der Mais bereits hochgewachsen, und die spätsommerliche Sonne beginnt langsam den Rücken zu wärmen.

 

 

Einen „Steinwurf“ von der Ortschaft Legden erreiche ich ein wunderschönes kleines Wasserschloss. Es ist das Haus Egelborg, gelegen am Oberlauf der Dinkel. Bewohnt und bewirtschaftet wird das Schloss von den Nachfahren von Ritter Jobst von Oer-Nottenbeck. Neben einer Vorbug besitzt dieses Anwesen auch eine eigene Kapelle.

 

 

Entstanden ist das Anwesen auf zwei Inseln, die von der Dinkel umschlossen sind. Das Wasserschloss wurde im Stile der niederländischen Renaissance errichtet und in der Folge mit neugotischen Elementen versehen. Der rechte Flügel des noch heute existierenden Herrenhauses, besteht seit dem Jahr 1559, der linke Flügel wurde erst 1714 errichtet. Einst verfügte das Anwesen auch noch über eine Vorburg, die jedoch im Jahr 1668 abgerissen wurde. Erst gut 200 Jahre später entschloss man sich, diese Vorburg wieder aufzubauen.

 

 

Ein echtes Kleinod ist auch die Rückseite vom Schloss. Hier im Wäldchen wirkt alles sehr „verwunschen“. Eine kleine Brücke nebst Pumpenhus lädt nicht nur zum Verweilen ein, sie zeigt auch die alte Technik, wie die Dinkel einst gestaut wurde.

 

 

Die Radfahrwege sind alle samt super. Hinter einer jeden Kurve entsteht eine neue Sicht, die Lust auf mehr macht. Alte und wunderschön sanierte Bauernhäuser gibt’s genug zu sehen, auch die typischen Buchenhecken die sich im Best geschnittenen Zustand befinden. Schaut man sich ein Bauernhaus in Detail an, so denkt man unweigerlich an Einmachgläser, Kittelschürze und alten Deutz-Traktoren. Die offensichtlich zurückhaltende oder oft besagte sture Mentalität täuscht, denn der typische Münsterländer kann auch anders! Bier mit Körnchen, Vereinsmeierei, Kirche – und oder – der beliebte sogenannte „Kölsche Klüngel“ sind hier nicht selten anzufinden. Daher Achtung! : Als nicht dazugehöriger gilt nur eine Faustregel: Nur gucken – nichts anfassen!

 

 

In Asbeck, einem kleinen typischen Dorf mit roten Dachpfannen und Backsteinhäusern treffe ich auf die Legende: den legendären Ritter „Bruno von Asbeck“. Die Bronzefigur erinnert an seiner Heldentat, wie er einst eine von den Türken geklaute Krone zurück ins Kaiserreich brachte und als Zuerkennung ein Stück Land erhielt, welches es innerhalb eines Tages umreiten konnte.

 

 

Durch die Wirtschaftswege entlang der Felder fahre ich Richtung Norden. Kurz an Gemen sehe ich auf der linken Seite eine kleine sehr gepflegte Kapelle. Diese Kapelle ist die sogenannte Pestkapelle St. Antonis. Gebaut wurde sie in etwa 1650. Basierend ist ein Gelübde aus dem Jahre 1636, welches die Bevölkerung während der Pestzeit abgelegt hatte. Dem heiligen St. Antonis zu Ehren sollte diese Kapelle gebaut werden, wenn die Pest um Gemen herum aufhören würde. Beruhigt mache ich an der Kapelle eine erste Pause, trinke eine Tasse Tee und schaue mir die Kapelle mit ihrem tollen Reetdach in ihrem Inneren an.

 

 

„Oldemölls Venneken“ ist ein rechts der Dinkel gelegenes, flaches Dünengebiet, das größtenteils mit Wald bestockt ist. Durch den Wald verläuft ein Weg. Nach Norden und Osten schließen sich an den Wald feuchte Grünlandflächen sowie ein ehemaliges Abgrabungsgewässer an. Die bis zu 6 m hohen Dünen sind größtenteils mit einem Kiefern-Eichenwald bestockt, bereichsweise ist auch reiner Eichenwald ausgebildet. Als besondere Vogelarten werden der Kiebitz , die Sumpfschrecke und die Uferschnepfe benannt. Von weiten sind über die Felder bereits die Reste der Burg Nienborg aus der Ortschaft Nienborg zu sehen.

 

 

Kurz bevor ich das Dorf Nierborg erreiche, sieht man das auch die Heimatvereine wunderbar funktionieren. Eine historische Wassermühle entlang der Dinkel steht da wie aus dem Ei gepellt. Wer hier nicht sofort das Raunen knarrender Holzräder hört, den ruhigen Fluss der Dinkel und den Geruch von altem Holz verspürt, sollte sich den Schritt über die Türschwelle der Nienborger Wassermühle zurück in vergangene Jahrhunderte besser nochmal überlegen! Eine Zeitreise wird nämlich garantiert!

 

 

Nierborg selbst ist ein echt schnuckeliges Dorf, was viel Geschichte aufweist. Im Spanisch-Niederländischen Krieg wurde die eigentliche Burg zerstört, aber um 1600 neu aufgebaut, ehe sie im 17. Jahrhundert verfiel. Anfang des 18. Jahrhunderts gehörte die Burg zum Gut Haus Bevern. Erhalten sind von der ehemaligen Landesburg nur drei Burgmannenhäuser. „Hohes Haus“, „Langes Haus“ und Keppelborg sowie das Torhaus und Reste der romanischen Mauer.

 

 

Aber was wäre schon ein münsterländliches Dorf ohne eine eigene Sage? Somit hat auch Nierborg ihren ganz besonderen Held eine Bronze vermacht. Es ist der Wilde Bernd!  >> Der Wilde Bernd war ein Wilderer in den Nienborger Wäldern und soll, im Dreißigjährigen Krieg, um 1633 das Dorf vor Raub und Brandschatzung gerettet haben, indem er die Besatzung der Burg Nienborg vor herannahenden Truppen warnte und dann sogar, als die Not durch deren Angriff groß war, deren Anführer erschoss. Die Burgmänner sollen ihm drei Wünsche gewährt haben. Er erbat: „Frie fisken, frie jagen und frie schieten in`n Grawen.“ Letzteres bezog sich auf das alleinige Recht der Burgbesatzung, sich in den Wassergraben der Burg zu erleichtern. Forschungen in Archiven ergaben, dass die Person Bernds möglicherweise tatsächlich existiert hat. << Quelle: Wikipedia

 

 

Mit einer Schleife um Nienborg verlasse ich das „Dörflein“ und fahre wieder in Richtung Ahaus. Felder, Wiesen und die typische münsterländische Landschaft sind meine Begleiter. In der Nähe einem mir nicht bekannten tollen altertümlichen Anwesen überquere ich kurz vor Ahaus noch einmal den Fluss Aa.

 

 

Große Trauerweiden ranken sich über das Flussbett und leise gleitet das Wasser seinen Weg entlang. In der Aa gibt es nicht sehr viele Fische, wie der Volksmund gerne behauptet. Schuld daran sei das Wasserweibchen von Ahaus.

 

 

In der Sage geht es um die Missachtung des Abkommens mit einem „Wasserweibchen“, die sich in Ahaus an der Aa abgespielt haben soll. Ein armer Bauer fischte in der Aa für den Eigenbedarf, bis ihm ein Wasserweibchen einen goldenen Angelhaken gab. Auch sie vereinbarte mit dem Bauern die Abgabe des Zehnten. Der Bauer kam zu Reichtum, wurde geizig, vergaß das Versprechen und verlor den goldenen Angelhaken. „Deshalb meint man in Ahaus, dass seitdem keine Fische mehr in der Aa sind“

 

 

Audioquelle ©: www.muensterland.de/

 

Nach so viel Sagen, Geschichten und Halbweisheiten komme ich gegen späten Mittag wieder in Ahaus an. Aus der Ferne begrüßt mich das in der Innenstadt gelegene ehemalige Residenzschloss der Fürstbischöfe von Münster. Es ist das größte Wasserschloss auf meiner Tour. Hier möchte ich aber nicht viele Worte verlieren, denn diesen Brocken sollte man schon selbst erkunden!

 

 

 

 

 

Fazit: Eine Tour rund um Ahaus ist schon mehr als eine Perle! Eine wunderbare Landschaft mit vielen einheimischen Geschichten, lassen die Tour zu etwas ganz außergewöhnliches werden!

 

 

Total distance: 46.39 km
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