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Fisch & Schipp – Rund um Bremerhaven Teil 2 von 2 : Der Süden

Fisch & Schipp – Rund um Bremerhaven Teil 2 von 2: Der Süden Die Südtour im Bremerhaven beginnt am alten Museumshafen. Hier liegen ein paar Schiffe fest auf Dock. Neben einem begehbaren U-Boot gibts auch so die eine oder andere Schiffrarität zu bestaunen. Im Hintergrund das riesige Klimahaus mit dem ATLANTIC Hotel SAIL City Gebäude. Der Museumshafen ist der älteste Hafen von Bremerhaven.

 

 

>>Das Technikmuseum U-Boot Wilhelm Bauer ist ein technikgeschichtliches Denkmal von internationalem Rang. Es ist weltweit das einzige erhaltene U-Boot des Typs XXI, das den U-Boot-Bau revolutionierte und als bahnbrechende Neuentwicklung 1943/44 gebaut worden ist. Das U-Boot liegt gegenüber vom Deutschen Schifffahrtsmuseum im Museumshafen<< Quelle: Bremerhaven.de

 

 

Vom ATLANTIC Hotel SAIL City Gebäude kann man übrigens durch einen gläsernen Tunnel direkt in die Innenstadt laufen. Bei Regen sehr praktisch! Schaut man sich das Klimahaus von Nahen an, so stellt man fest, dass viele Scheiben rissig sind. Eine fachmännische Reparatur scheint auf sich zu warten. Da hilft dann nur das gute alte Panzerband!

 

 

Vom Museumshafen aus fahre ich in Richtung Marineoperationsschule Bremerhaven und halte mich an einem Fluß mit dem Namen Geeste. Die Geeste mündet in Bremerhaven und ist nach nautischer Definition der unterste Nebenfluss der Weser. Das interessante: Sie ist Ebbe und Flut abhängig was der Wasserstand hier und da heute deutlich zeigen wird. Die Marineoperationsschule in ihrer heutigen Ausrichtung ist die zentrale Ausbildungseinrichtung der Deutschen Marine für Taktik und Operation. Hiermit leistet sie einen auch international anerkannten Beitrag zur maritimen Reputation der Seestadt. Perfekt ausgerüstet für die Aufgaben an den Brennpunkten der Welt ist sicherlich ein toller Motivationsspruch, doch wie ein jeder weiß ist die Realität oft anders! Viel lässt sich jedoch nicht von dem Gelände erkennen. Ich fotografiere ein wenig die erhalten gebliebene Fassade, den diese ist noch aus der Zeit der Reichs- und Kriegsmarine, einschließlich der beiden Hochbunker. Mit einem Blick in die Geeste (Achtung , kleiner Scherz!) sehe ich auch schon das erste repräsentative Taktik-Schiff unsere Marine.

 

 

Es wird ländlich! Auf den Weg vorbei an die  Hexenbrücke in Richtung Bürgerpark bleibe ich der Geeste weiterhin treu. Ein gut fahrbarer sandiger, teils mit Schotter gefüllter Weg bringt mich schnell in den östlichen Bereich vom Bremerhaven. Wiesen Felder, Pferde und Natur beherrschen die Einsamkeit. Es ist sehr idyllisch, und die Blickachse reicht, soweit keine Windkraftanlage die Sicht versperrt, über viele Kilometer hinaus. Hier und da gibt es eine kleine Anlegestelle für die Sportboote. Soweit der Wasserstand es erlaubt, werden viele dieser Sportboote den Verkehr auf der Geeste dominieren.

 

 

 

Nach ca. 4 km verlasse ich die Geeste, überquere eine Autobahn und komme nach dem Bürgerpark langsam aber sicher über ein riesiges Industriegelände in Richtung Fischereihafen. Diese Industriegelände hat es aber in Sich! Es ist gewissermaßen das Epizentrum der Fischstäbchen! Welthauptstadt der krossen Minis wird diese Teil der Industriehallen liebevoll von den Einheimischen genannt. Iglo und Frosta stellen hier jedes Jahr 2,7 Milliarden Stück her, die in rund 20 Länder exportiert werden. Die Lust der Verbraucher auf die panierten Fischstücke ist ungebrochen hoch. 60 Betriebe im Bremerhavener Fischereihafen sind in der Fisch- und Lebensmittelbranche tätig – das macht inklusive Logistik und Lagerung zusammen ca. 4.000 Mitarbeiter. Doch vormachen muss man sich nichts: Der meiste Fisch kommt heute per Container zu den fischverarbeitenden Betrieben – ob per Lkw, Zug oder mit dem Schiff. Frischfisch kommt laut Fischereihafen-Betriebsgesellschaft zu fast 90 Prozent mit Containern aus Island, weitere Lieferungen stammen von den Färöer-Inseln und aus Großbritannien. Frosta selbst hat eine Gläserne Manufaktur, die ich leider auf meiner Tour übersehen habe.

Wer aber in puncto Fischkulinarik noch etwas dazulernen möchte, der ist im Seefischkochstudio genau richtig. Das Seefischkochstudio hat eine tolle Kochshow, und ein jeder kann sich am Ende auf ein riesiges Fischbuffet freuen. Wer draußen bleiben möchte, kann zumindest die schuppige und bunte Fassade unter besonderem Augenmerk nehmen!

 

 

Nun denn, jetzt bin ich am Fischereihafen angekommen, besser gesagt am „Schaufenster Fischereihafen“ von Bremerhaven. Wieder ergibt ein Teil des gesamten Hafengebiets von Bremerhaven eine wunderschöne Kulisse. Ein Museumsschiff, ein Krabbenkutter und diverse kleiner Schiffe halten im Becken vor der berühmten Fischräucherei Heribert Franke die Stellung. Hier dreht sich wirklich alles um Fisch. Fisch erleben heißt es für die Touris, die heute jedoch nicht da sein wollen. Warum auch immer? Viele kleine Restaurants reihen sich wie eine Perlenkette in den alten Lagerhallen. Mittig ein Biergarten und am Ende eine kleine mittelalterliche Räucherinszenierung in Form eines Dorfes für die hart gesottenen. Optisch ist es echt ein Highlight. Wie gerne würde ich jetzt eine Forelle nach Müllerin Art essen. ich gönne mir eine Pause, und erkunde mit dem Fahrrad an der Hand das kleine „Räucherdörfchen“

 

 

 

 

In dem kleinen „Räucherdörfchen“ ist zumindest ein bisschen was los. Eine Räucher Bude ist geöffnet. Es riecht sehr rauchig – fischig-, aber dadurch, dass kaum jemand vor Ort ist, kann der Wind die für mich befremdlichen Gerüche schnell vertreiben. Zu meiner Verwunderung: Hier wird Schinken geräuchert ???  Interessanter Weise wirkt das Dorf mit seinen kleinen Büdchen und Schaufenster auf mich sehr authentisch. Kommt es vielleicht den ein oder anderen wie ein billiges Klischee, oder ein schlechter Abklatsch vor, so ist es aber genau das, was ich als Tourist hier erwarte. Die Gebäude (außer das kleine Dorf) haben echte Geschichte. Was früher sehr wahrscheinlich ein schmieriger Markt war, wo die Fischer den Fisch direkt vom Schiff aus, in die Auslage gebracht haben, ist heute liebevoll umgestaltet worden. Ein Platz mit Charme der sogar ein wenig niederländisch wirkt. Klasse! Treu nach dem Motto: Fisch ist unser Käse!

 

 

 

Nur ein kleiner Katzensprung vom Schaufenster Fischereihafen sehe ich dann doch noch ein kleines Produktionschaufenster in der Packhalle VII. Hier wird der frische Fisch, direkt verarbeitet. Zur Linken sehe den guten alten Bismarckhering, wie er geteilt und in Windeseile einen Platz in seinem Kunststoffmarinadeglas erhält. Zur Rechten den Frischfisch, wie er direkt verpackt und später an die Kunden ausgeliefert wird. Irgendwie entspannend. Aber auch nur für mich als Zuschauer, der draußen ohne Akkordfeeling die noch halbwegs klare Seeluft einatmen darf.

 

 

 

 

Ab hier folgt ein wirklich spannender Teil: Mit dem Fahrrad fahre ich entlang dem Fischereihafen II. Die Straße oder besser beschrieben der gepflasterte Weg ist die Fischauktionsstraße. Hier ist man so nah an den Schiffen wie sonst nirgendwo. Da der Weg sehr schmal ist, wirken die eigentlich mittelgroßen Schiffe wie wahre GIGANTEN neben mir. Die Festmachtaue sind so dick wie meine Oberarme (in Wirklichkeit noch ein bisschen dicker 😉 )  und der Bug des Schiffes, der aus dem Wasser ragt, bietet soviel Platz wie meine Grillecke im heimischen Garten. Dieser Weg führt mich an mehreren Schiffen vorbei. Die Skepsis der Hafenarbeiter durch mein Erscheinen hält sich zum Glück in Grenzen, so das hier und da doch ein nettes MOIN zu hören bekomme. Im Fischereihafen liegt auch ein etwas größeres Schiff der Bundeswehr, sowie ein kleiner Trawler.

 

 

 

 

Ich begebe mich zum südlichsten Teil vom Bremerhaven. Ich stoße auf einem großen Fischtrawler, der gerade entladen/gelöscht wird. Diese Trawler sind richtige Fangfabrikschiffe. Wenn sie am Ende ihrer Fangreise nach Bremerhaven zurückkehren, haben sie die Laderäume voller Fisch. Anders als früher handelt es sich dabei aber um gefrostete Blöcke, die wenig später verarbeitet werden. An Kränen werden schwere Paletten heruntergelassen. Gabelstapler nehmen die unzähligen braunen Kartons auf und verfrachten sie eilig in den Kühlhäusern. Dabei ist der Inhalt der „braunen Päckchen“ oft recht unterschiedlich. Meist sind es Rotbarsch, Kabeljau und Seelachs. Vom eigentlichen Fisch ist nicht mehr viel wiederzuerkennen. Er wird bereits auf See geschlachtet, ausgenommen, enthäutet, filetiert und eingefroren. Heraus kommen dabei viereckige Blöcke, die in der Nahrungsmittelindustrie weiterverarbeitet werden – zum Beispiel in den Fabrikationshallen von Frosta oder Iglo…...

 

 

 

Ansonsten ist der südliche Hafenteil sehr auf das Offshoring und Reparaturarbeiten fixiert. Am Straßenrand liegen viele Windflügel, die Ihrer Bestimmung bald auf einer Windkraftanlage finden. Außer den Flügeln kann ich hier nur große graue Fabrikhallen erkennen. Nicht wirklich spannend! Am Cap des Südhafens fahre ich wieder in Richtung Norden. Begleitend zur linken, die Lune, ein Nebenfluss der Weserso lange bis ich die wunderschöne Luneplate erreiche. Hier hat man einen sagenhaften Ausblick auf Bremerhaven!

 

 

 

>>Geprägt wird die Luneplate durch Marschgrünland, Wattflächen und den Tidepolder. Die künstlich angelegte Überflutungsfläche liegt tiefer als das Weserhochwasser und wird zweimal am Tag überspült. Zudem sorgen Wasserbüffel und Galloway-Rinder für ideale Lebensbedingungen diverser Vogelarten. Sie halten die Weiden kurz und vernichten für die Brut- und Rastvögel schädliche Pflanzen. Im Winter dienen die Flachwasserbereiche mehr als 10.000 Vögeln als Rast- und Schlafplatz.

Besucher können die Tierwelt ungestört über Rundwege und verschiedene Beobachtungsanlagen betrachten. Neben dem Aussichtsturm im Süden der Luneplate gibt es auch ein Beobachtungsversteck. Hier kann man sich den Vögeln nähern, ohne selbst entdeckt zu werden. Zwei Besucherplattformen, eine am ehemaligen Lunesiel und eine mit Blick ins Feuchtgrünland sowie zwei Info-Pavillons an den Parkplätzen runden das Naturschutzgebiet ab. Erkunden lässt es sich ausschließlich zu Fuß oder mit dem Fahrrad.<< Quelle: Bremerhaven.de

 

 

Über den Seedeich nähere ich mich langsam wieder dem Museumshafen. Vorab gelange ich aber an die Geestemündung zur Weeser sowie zur Schleusenstraße in Richtung Bremerhaven Fähranleger. Ein Leuchtturm kennzeichnet die Einfahrt für den Schiffsverkehr. Auch hier gibt es wieder ein ganz anderes Panorama vom Hafengebiet. Auffällig: Viele Polizei- und Instandhaltungsschiffe scheinen hier in der Nähe ihren festen Platz zu haben. Memo an mich selbst: Beim Zurückwinken diesmal das Lächeln nicht vergessen!

 

 

Etwas versteckt sehe ich eine Schule für Windsicherheitstraining. Hier werden u. a. die Techniker für die Offshoreanlagen ausgebildet. Neben der klassischen Ersten Hilfe gibt es dort besondere Szenarien, die in der Praxis auf dem Gelände geschult werden können. Dabei sind die Möglichkeiten sehr vielfältig. Rettungsübungen jeglicher Art müssen zertifiziert sein, sodass der Teilnehmer nach Beenden des Lehrgangs eine anerkannte Qualifizierung nachweisen kann. Ein möglicher Kurs könnte lauten:

Basic Offshore Safety Induction & Emergency Training (OPITO 5700/NOGEPA 0.5A/OLF) + Compressed Air Emergency Breathing System (CA-EBS) Training (OPITO 5902/NOGEPA 0.5C)

 

 

Das letzte Hafenbecken in Geestemünde Nord zeigt mir nun das Ende meiner Tour an. Ich befinde mich an der Kaje vom Bojenlager.  Wie bunte Bomben sind hier die Bojen sortiert. Ein etwas unangenehmes Kopfsteinpflaster will mich zum Abschluss etwas durchrütteln.

 

 

Am Hafenbecken vom Geestermünde-Nord zeigt sich, das auch Bremerhaven nicht gänzlich vor einer Sturmflut oder einem Hochwasser gefeit ist. In den Autogaragen befinden sich gelbe Schilder, die vor einem Hochwasserstandort warnen. Auch gibt es eine riesige automatische Staumauer welche die Bewohner vor derartigen Umwelteinflüssen schützen will. Was für ein schöner Platz! Ich vermisse ein kleines Café!

Die Kennedybrücke zeigt mir für heute einen letzten Blick in die Geestemündung. Hier endet auch mein tolle Tour „Rund um den Bremerhaven“ Ein Containerschiff aus China befindet sich gerade in meiner Blickachse. Besser kann der Abschied von der Geestemündung  und meiner Tour doch gar nicht ausfallen!

 

 

 

Fazit :

Was für eine wundervolle Tagestour im Bremerhaven. Das schöne: Täglich ändern sich hier die Gegebenheiten. Schiffe kommen und gehen und es gibt keinen Stillstand. Für mich als Niederrheiner eine Wahnsinns –  Kulisse!

 

 

 

Total distance: 56.65 km
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