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Giethoorn, kleine Perle in Overijssel

Giethoorn, kleine Perle in Overijssel. Mitten im Nationalpark Weerribben-Wieden zwischen Steenwijk und Meppel liegt das kleine Wasserdorf Giethoorn. Bis zum Mittelalter bestand die Landschaft aus Torfmooren und Wäldern.

 

 

 

Wo damals der Torf gestochen wurde, befinden sich heute viele kleine Kanäle, die das Dörfchen und seine Umgebung heute so einzigartig macht. Das unverkennbare dorfeigene Bild von Giethoorn wird bestimmt durch die vielen Grachten, die charakteristischen kleinen und hohen Holzbrücken sowie die mit einem Schilfdach gedeckten Bauernhäuser. Diese idyllische Atmosphäre und der Reiz der umgebenden Landschaft haben dem Dorf die Bezeichnung “Das grüne Venedig” gegeben. Straßen gibt es nur sehr wenige und somit sind die Kanäle lange Zeit die Hauptverkehrsader der Bevölkerung gewesen.

 

 

 

Es ist 6:30 Uhr. Richtig Frisch ist es heute und es bläst ein ordentlicher Wind. Ich genieße eine heiße Tasse Thermoskannen-Kaffee an einem Dorfparkplatz und atme die blumige Luft der Hortensien. Ich lausche, wie das Dorf erwacht, und bereite mein Velo auf die Tour vor. Zu hören sind um dieser Zeit nur vereinzelte Kehrgeräusche aber aus der Ferne höre ich bereits die Rasentrimmer und Freischneider. Ich beschließe loszufahren, und nach ein paar Hundert Metern erreiche ich den ersten Kanal. Hier enden schon die Straßen und etliche kleine E- Kanus liegen in „Reih und Glied“ darauf wartend, von den später ankommenden Touristen ausgeführt zu werden. Nach einer kleinen Biegung und der Überquerung einer sehr steilen Holzbrücke befinde ich mich wie nach einem Zauber – Fingerschnippen in einer anderen Welt.

 

 

Wie in einem Freilichtmuseum stehen hier die schmucken alten Reed – Dachhäuser wie auf kleinen Inseln getrennt vom Kanal. Überall sind Brücken die den Zugang für die Anwohner zu ihren Häusern ermöglichen. Die Gärten sind wie aus einem Bilderbuch und es ist die Stille und die Menschenleere die mich vor Ort faszinieren. Das ist aber nur die Ruhe vor dem Sturm, denn Giethoorn ist fest in den Händen der Touristen. Unter den internationalen Touristen gibt es vor allem die vielen Chinesen. Die Zahl der Chinesen, die in den Niederlanden und insbesondere nach Giethoorn kommen, verdoppelt sich fast jedes Jahr. Glaubt man den Angaben, so könnte man meinen,  dass in China eine Art Giethoorn-Manie ausgebrochen ist.

 

 

 

Auch für mich ist es schwer zu glauben, dass hier die Menschen so „richtig“ wohnen. Es wirkt wahrhaftig wunderschön und doch ist es schon fast zu perfekt. Über einen super-schmalen „Fietspad“ fahre ich den Hauptkanal entlang und auch hier liegen wartend die üblichen Touristenboote.  Nach ein paar Kilometern verlasse ich jedoch die Idylle und fahre wieder über echte Straßen, bis ich dann den Molenweg erreiche. Der Molenweg ist ein schmaler Fuß- und Radweg, der mich erneut zu einem weiteren Kleinod entführt. Schnieke alte Häuser und ein kleines Museum über die Geschichte der Gegend wollen passiert werden. Weitere Straßen gibt es hier nicht und ich stelle mir gerade vor, mit welchem Aufwand hier eine Ladung Pflastersteine zum Kunden kommen.

 

 

Entlang der Thijssengracht fahre ich nun durch Wiesen und Felder. Ich befinde mich mittlerweile mitten im Nationalpark Weerribben-Wieden. Weerribben-Wieden stellt das größte ununterbrochene Tieflandsmoorgebiet in Nordwest Europa dar. “De Wieden” liegt zwischen zwei Stauwallen, die nach der zweitletzten Eiszeit zurückgeblieben sind. Dadurch lagen die Böden niedriger als die umliegenden Gebiete, sodass das Land sumpfig und nass blieb und sich Röhrichte mit Seggen und Torfmoos entwickelten konnten.

 

 

Diese abgestorbenen Pflanzen waren sozusagen der Anfang der Torfbildung. Die Torfgräber haben dann den Torf ausgestochen, auf dem Land zur Trocknung ausgelegt und anschließend die Torfblöcke ausgestochen. In ihrem Bestreben möglichst viel Torf zu gewinnen haben die Torfstecher jedoch zu schmale Landstreifen übrig gelassen.

Bei der zweigrößeren Überschwemmungen (im Jahr 1776 und 1825) wurden diese verletzbaren Auslegestreifen weggespült, wodurch die Wasserflächen und die Seen rund um Giethoorn entstanden sind. Diese Wasserflächen haben alle Bezeichnungen bekommen die auf -“Wijde”, enden.  (Z.B “Bovenwijde”, “Beulakerwijde” und “Belterwijde”)  Heute sind die „Wijden“ ein Eldorado für Wassersportler. In der Region Giethoorn wird “Wijde” als “Wiede” ausgesprochen, somit entstand auch der Name: “De Wieden”

 

 

 

 

Entlang der Beulakerwijde fahre ich wieder in Richtung Parkplatz. Dieses bedurfte jedoch einiges an Improvisation . Eine Brücke war defekt, und leider gab es weit und breit keine Straße die mich über den Kanaldijk wieder in Richtung Giethoorn führte. Der Bodelaekpad war jedoch mein Rettungsanker, und über einen besonderen Umweg gelangte ich dann wieder nach Giethoorn.

 

 

Fazit: 

Wer das wunderschöne Wasserdorf Giethoorn auf einer ganz besonderen Weise erleben möchte, der soll es dem Sprichwort mit dem frühen Vogel und dem Wurm gleichtun! Ansonsten: Giethoorn, das vielleicht schönste Dorf der Niederlande!

 

 

 

Gesamtstrecke: 19.96 km
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