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Zaltbommel – Komm Opa!

Zaltbommel – Komm Opa! Die Neugier gilt als angeborener Lernmotor. Hat der Motor erst gezündet, so sieht man gerade bei Kindern, welche Drehzahlen im menschlichen Körper entstehen können. Leider verliert sich diese Neugier oft im Laufe des Lebens und daran ist das Alter nicht ganz unbeteiligt. Die Art, alt bekanntes mit neuem zu kombinieren fällt schwerer, denn wer viel erlebt hat, neigt automatisch dazu nur „Das Ganze“ zu bewerten und „Halbes“ zu ignorieren.

Wer nichts Halbes und nichts Ganzes zu bieten hat, stößt in unserer Gesellschaft oft auf wenig Gegenliebe. Wir sind geprägt von Fakten, wollen immer einen Mehrwert und sehen die Dinge mit Weisheit und Nachhaltigkeit.

Heute möchte ich mit meiner Tour in Zaltbommel „Halbes“ entdecken und das „Ganze“ erleben. Hedel, eine kleine Stadt in Gelderland etwa 7 km nordwestlich von ’s-Hertogenbosch war für mich der Auslöser dieser Tour, denn dort befindet sich eine Bronze, die mich nicht nur inspiriert hat, sondern auch auf einfachster Weise darstellt, wie schön die (naive) Neugierde das ‚halbe‘ mit dem “ganzen“ verbindet.

„Kom Opa!“, lautet der Titel der Bonze vom Bildhauerpaar Jean und Marianne Bremers. Ein enthusiastische Kind, welches den Opa ziehend an der Hand hält. Ungeduldig anschauend möchte es dem Opa seine ‚halbe‘ Welt zeigen, frei von dem Wissen, das Opa vielleicht schon das “ganze“ kennt und nebenher auch nicht mehr der schnellste ist. Vereint und den Moment in Bronze gefangen, stehen die beiden auf einem Sockel, mit der Absicht dem Betrachter in seinen alten Paradigmen zu Spiegeln.

 

 

 

Von Hedel aus fahre ich bei traumhaftem Spät-Sommerwetter über die Deiche entlang den Maasauen. Manche Gräser entlang des Deiches haben bereits ihren Zenit weit überschritten. Braun, und teilweise verbrannt von der starken Sommersonne zeigen sich die Blüten der „gemeinen Kratzdistel“ nur noch mit letzter Kraft, wo hingegen das Gras, oder das Labkraut einen gewaltigen Wachstumsschub erlebt. Was als „Ganzes“ gerne als Unkraut tituliert wird, kann auf „Halbe“ Betrachtung schon man schnell zu einer Besonderheit werden. Den schmalen Deichweg habe ich heute für mich alleine, es ist erstaunlich wie weitreichend die Maasauen mit kleinen Kolken bestückt sind.

 

 

 

Ich erreiche das Schloss Ammersoyen. Ammersoyen ist ein typisches beeindruckendes holländisches Wasserschloss. Erbaut um ca. 1300 liegt es strategisch günstig zwischen Maas und Waal im wunderschönen Flussland des Bommelerwaard. Die Burg mit ihren vier Ecktürmen und einer eine Vorburg, gilt als einer der besten erhaltenen mittelalterlichen Burgen der Region.

 

 

Versteckt hinter dem Dickicht der Vorburg, hängen saftig die Äpfel an den Bäumen im Schlosspark. Die gewaltigen Hauptschlossgemäuer können bestimmt so mache Geschichten erzählen.

 

 

 

 

Weiter in Richtung Norden gelange ich zur Hansestadt Zaltbommel. Zaltbommel hat eine wunderbar erhaltene Altstadt. Von weitem begrüßt mich der Turm der Sint-Maartenskerk. Auffallend ist die fehlende Turmspitze, die 1696 abbrannte. Je nachdem wo man sich in Zaltbommel aufhält überzeugt die Stadt mit unterschiedlichsten Charismen.

 

 

 

 

Die sieben Bastionen, die um 1600 angelegt wurden, sind noch deutlich sichtbar. Über die Wälle verläuft ein sehr schöner, fast 2 km langer Fußweg. Oft geben die Bäume einen Blick auf die Stadt frei. Von der alten Stadtmauer ist dagegen nur ein Rest übergeblieben. Unübertroffen: Der Blick auf dem ehemaligen Wasserturm.

 

 

 

Aus Zaltbommel stammt auch die niederländische Unternehmerfamilie Philips. (Gründer des Elektrokonzerns Philips. Wer mehr über Philips erfahren möchte:

 

 

 

 

 

 

Auch Zaltbommel hat in der Vergangenheit viel Hochwasser erleben müssen. Die Stadt liegt am Rhein (In den Niederlanden: Waal) und zeigt mit einem eher ungewöhnlichen Denkmal wie katastrophal und grenzwertig der Wasserstand im Jahr 1995 war.

 

 

Es gibt aber noch mehr: Neben dem „Ganzen“ von Zaltbommel sollte man sich etwas Zeit nehmen und auf die Kleinigkeiten achten. Es gibt viele kleine und große Monumente oder künstlerische Beiträge die diese Stadt zieren. Neben dem bekannten goldenen Einhorn an einer Haufassade, gibt es versteckt, auch kleine Dachrinnengeister zu bestaunen. „Gootspoken“ werden sie auf Niederländisch genannt. Dachrinnengeister sind Statuetten des Künstlers Joris Baudoin, die sich auf Dächern und Fassaden von Häusern befinden, normalerweise in der Dachrinne. Die Bilder erzählen etwas über die Bewohner des Gebäudes oder über seine Geschichte. Der Neugierde sind also keine Grenzen gesetzt.

 

 

 

Auch ein schönes Street Art Bild mit dem Titel: “Nimfen”in de Stad tijdens “Pracht in de Gracht” Zaltbommel polarisiert mit seinen bunten Farben auf einer Hauswand. Das Bild stammt übrigens von der Künstlerin Truus Brands, die im späteren Verlauf der Tour nochmal auf sich aufmerksam machen wird.

 

 

 

Über ein Industriegebiet verlasse ich wieder die Stadt. Ein liebevoll gestalteter Gully- / Schachtdeckel lässt mich für ein Foto kurz anhalten, bevor ich wieder auf die Deiche gelange.

 

 

 

Im Rücken von mir liegen die mächtigen Waalbrücken. Beide Brücken überspannen zwischen den niederländischen Gemeinden Zaltbommel und West Betuwe die Waal, den südlichen Arm des Rheins im Rhein-Maas-Delta. Die Martinus-Nijhoff-Brücke ist für die PKWS und hat einen eigenen separaten angelegten Radweg. Direkt daneben, die Dr.-W.-Hupkes-Brücke. Über diese Fachwerkbrücke verläuft die Bahnstrecke Utrecht–Boxtel.

 

 

 

Auf dem Deich wird es schnell wieder ruhig. Der Obstanbau ist eins der stärksten wirtschaftliche Zweige in der Region am Deich.

 

 

 

 

 

Sorgfältig gestapelte Obstkisten, und der Aufbau von kleinen Bienenvölkern passt schon sehr schön zusammen. Ich folge den „Waalbandijk“ mehrere Kilometer bis ich am „Waaldijk“ in der Nähe von Rossum ankommen. Viele Störche haben sich den Standort des Hochspannungsmastes zu Nutze gemacht und ein Nest gebaut. Was auf dem ersten Blick recht Bizarr erscheint, ist auf dem zweitem recht nützlich. Ein sehr sicherer Platz für die Nachkommen.

 

 

 

 

Ein besonderer Hotspot in Rossum sind die Cafés am Rhein. In der Biegung der Waal hat man eine wunderbare Aussicht und kann den ganzen Tag Schiffe gucken. Auch ich mache eine Pause und entdecke am Radweg eine wunderschöne aus Mosaik gestaltete bunte Bank.

 

 

 

Diese Sitzbank oder besser gesagt das Sofa ist das „Social Sofa Rossum“ welches als sozialer Treffpunkt für die Bewohner von Rossum und den vorbeifahrenden Radtouristen fungieren soll. Die Beton-Chaiselongue oder auch „ut bènkske“ haben viele Freiwillige, angeführt von der Künstlerin Truus Brands, in über 5 Monaten mit 50.000 Mosaiksteinen in einem wunderschönen farbenfrohen Illustrationen versehen. Natürlich im sagenhaften Truus-Design!! Als „ganzes“ nur eine Bank, im Detail jedoch die Besonderheiten der Umgebung von Rossum auf 2,25 Metern und 1600 kg.

 

 

 


Bildquelle: http://truusbrands.nl/

 

 

Auf dem Weg nach Kerkdriel sehe ich noch viel von der typischen niederländischen Landschaft. Wieder an der Maas angelangt ist Kerkdriel für seinen Jachthafen sehr bekannt. Hier kann man Hausboote mieten oder die kleine Stadt mit seiner Sara Catharina Mühle oder der protestantischen Kirche besuchen.

 

 

Der Hoenzadrielsedijk begleitet mich wieder zurück nach Hedel, wo nach 40 km wieder den Startpunkt erreiche.

 

 

 

Fazit

Salopp betrachtet habe ich auf meiner Tour nichts Halbes und nichts Ganzes erlebt. Aber genau diese Mischung macht diese Tour zu etwas kompletten, denn sie zeigt auf, dass mein Lernmotor der Neugierde, noch lange nicht erschöpft sein wird! Kom Opa! Für mich die treffendste Art sich auf neue einzulassen. Wer dabei Kind oder Opa ist, liegt im Sinne des Betrachters. Beide Seiten werden sich neu Entdecken!

 

 

Gesamtstrecke: 38.59 km
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