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Montferland – Es klappern die Mühlen…

Montferland – Es klappern die Mühlen…In den Niederlanden sind Windmühlen (Molen) wohl die am auffälligsten freistehenden Gebäude. Sie haben sich in einem jedem von uns manifestiert und wer an den Niederlanden denkt, dem kommen automatisch die vielen Windmühlen in den Sinn. Ob am Rande der Autobahn, in Dörfern oder mitten in der Prärie, jeder wird schon eine Windmühle vor Ort eine gesehen haben. Manche Windmühlen sind klassische Kornmühlen, andere sind reine Pumpmühlen, die für die Be – und Entwässerung der Felder und dem Grundwasserstand in NL genutzt wurden. Die meisten von ihnen sind jedoch sogenannte Polder Mühlen bzw. Bodensegler. Mühlen, die vom Boden aus bedient werden können und deren Klingen über den Hof fegen.

Je nach Region und Nutzung gibt es viele Arten der Mühlen. Hat man in der Region bei Rotterdam oft sogenannte Hochgerüstmühlen, so sieht man in der Region Montferland hier und da die seltenen und daher in den Niederlanden weniger bekannten Turmmühlen. Dieser Mühlentyp hat einen schweren Steinkörper mit zylindrischer Form und stammt noch aus dem Mittelalter

Das Prinzip einer jeder Mühle ist jedoch gleich: Die vom Wind in Drehung versetzten Flügel, verwandeln mithilfe einer Flügelwelle, die kinetische Energie aus dem Wind in eine mechanische Energie. Diese freigesetzte mechanische Energie wird durch einer Antriebswelle in den Körper der Mühle geleitet. Die gewonnene Energie steht nun bereit, um z. B. Hebeanlagen (soweit die Mühle an einem Bach oder See stand) oder Mühlsteine in Bewegung zu setzten. Da die gesamten Antriebsbauteile (auch die Zahnräder) einer Mühle aus Holz waren, war eine enorme Geräuschkulisse im Betrieb nicht zu vermeiden. Es entstand das berühmte: Es klappert die Mühle…“

 

 

 

Gleich zu Beginn meiner Tour stoße ich auf der ältesten Mühle der Niederlande. Es ist die gräfische Kornmühle in Zeddam. Sie stammt aus der Zeit um 1441 und gehörte einst zum Landgut Huis Bergh. Aufgrund der Wind- und Mühlenrechte der Bewohner von Huis Bergh mussten die Einwohner der Region, die Mühle von Huis Bergh zum Mahlen ihres Getreides nutzen.

 

 

Direkt daneben befindet sich (ganz unspektakulär) eine große Scheune. Diese Scheune ist jedoch auch eine Mühle. Sie heißt Rosmolen. Der Name Rosmolen kommt von der Tatsache, dass der „Antrieb“ der Mühle von einem Pferd oder Esel geliefert wurde. Eine Flügelwelle und Flügel brauchte diese Scheunenmühle nicht da die Antriebswelle direkt vom Vieh angetrieben wurde.

 

 

 

 

Ich verlasse Zeddam und folge einem schön angelegten Radweg. An einem Kreisverkehr sehe ich eine zweite Turmmühle. Diese ist jedoch außer Betrieb und stark sanierungsbedürftig. Es ist eine Polder-und Kornmühle aus dem Jahre 1856. Sie heißt: Braamtse Molen te Braamt. Hier kann man deutlich sehen wie ein Mühlenflügel gesichert ist. Sind die Flügel nicht bespannt, so reicht eine Kette vollkommen aus, um das gesamte Konstrukt vor mechanischen Bewegungen zu Schützen.

 

 

Die Region Montferland ist eine Gemeinde der niederländischen Provinz Gelderland, sie liegt unmittelbar an der deutschen Grenze, nicht weit von Emmerich am Rhein entfernt. Das Montferland ist stellenweise ein wenig hügeliger als andere Regionen in Gelderland. Typisch sind die vielen kleinen Dörfer, die sich versteckt zwischen Hügeln, Wäldern und Feldern präsentieren.

 

 

Das Montferland-Gebiet ist auch der Anfang der „Achterhoek“-Region. Nach einer Weile erreiche ich das Waldgebiet „Bergherbos“. Der gerade noch gelobte Radweg wird schlagartig zu einem matschigen Trail. Hier stoße ich auf viele MTB begeisterte Radfahrer, die sich die Hügel zu Nutze machen. Die leichten bis starken Hügel (Endmoränen)sind Überreste aus der der letzten Eiszeit.
Auf ca. 80 Meter über N.N erreiche ich den „ Kale Jacob“. Vor Ort hat man eine wunderschöne Aussicht über die naheliegenden Dörfer. Zwischen dem hügeligen Wald und der Ortschaft Didam durchfahre ich viele Felder und Wäldchen. Dabei trifft man immer auf „kleine“ versteckte Gutshäuser.

 

 

 

 

Die Radwege sind sehr schön in die Natur integriert, und die Wälder werden beispielhaft beforstet. In Loil erwartet mich auch schon die 3. Windmühle. Sie ist in einem sehr guten Zusatnd, funktionstüchtig und kann nach Absprache besichtigt werden. Ihr Name ist „De Korenbloem te Loil“. Wie der Name bereits verrät, handelt es sich bei dieser Windmühle um eine Kornmühle. Das ursprüngliche Baujahr ist 1855 aber die Mühle wurde 1970 und 1988/89 restauriert.

 

 

 

In Didam ist erstmals eine kleine Pause angesagt. Mit einem „kopje“ heißen koffie aus der Thermokanne genieße ich die Aussicht an einem schönen klaren See. De Nevelhorst ist der Name von diesem kleinen Idyll und ich bin froh, dass ich diesen per Zufall gefunden habe.

 

 

Die Tour führt mich weiter durch die Ortschaft Zevennar. Am Ende der Ortschaft sehe ich e 4. Steinmühle. Es ist die Turmmühle „ Buitenmolen“ Die Buitenmolen ist sehr mächtig gebaut. Es ist nicht nur die älteste Mühle von Zevenaar (Baujahr ca. 1549) auch mit Ihrer kolossalen Holzoberachse mit einer Länge von mehr als 9 Metern genießt sie ein besonderes Alleinstellungsmerkmal in ihrer Region.

 

 

Etwas südlich von Zevenaar befindet sich das sehr schöne Dorf „Oud – Zevenaar“. Oud – Zevenaar eignet sich wunderbar für eine kleine Wanderung. Liebevoll ist dort eine 12,5 km lange Wanderroute ausgearbeitet worden. Über kleine Info – Tafeln kann man an 21 Stationen das Dorf mit seinen Bau- und Kunstwerken kennenlernen. Einer der interessantesten Punkte ist die Station 18! Es ist das alte und winzige „Het bakhuisje“ in der Ortschaft Ooij.

 

 

 

Jeden ersten Samstag im Monat wird das Backhaus am Slenterweg für die Öffentlichkeit geöffnet und die alten Bäcker backen auf traditionelle Weise Brot. Die Besucher können dann das weit über Zevenaar heraus berühmte Brot, den sogenannten „Ooyse Bol“, für 2,50 € kaufen. Natürlich kann man auch gegen eine Spende von 5€ „Freund des Bakhuisje“ werden. Mit der Spende wird der Fortbestand des Backhauses unterstützt und als schöner Nebeneffekt: Der Spender erhält eine Nachricht, wann wieder gebacken wird. Alle Stationen zum Wandern findest Du HIER!

 

Am Ende von „Oud – Zevenaar“ passiere ich noch die Sint-Martinuskerk. Neben dem schön angelegten alten „ Prozessionspadje“ hat man hier auch eine herrliche Aussicht über die Niederrungen.
Das Schlösschen Camphuysen lädt noch zu einem Foto ein, bevor ich Babberich durchquere.

 

 

 

Durch den Wald komme ich schließlich in Stokkum an. Der Aussichtsturm im Bergherbos bei Stokkum ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Nach einer wiederholten Trail-artigen Fahrt durch den Wald mit einem steilen Aufstieg taucht der Turm plötzlich zwischen den Bäumen auf. Der 21 Meter hohe Turm und der 82,4 Meter hohe Hülzenberg über dem NN machen ihn einfach einzigartig.

 

 

 

Langsam wird es dunkel und ich versuche noch vor Sonnenuntergang meinen Startpunkt in Zeddam zu erreichen. Wäre da nicht in Zeddam eine weitere Mühle. Es ist die „De Volharding te Zeddam“, erbaut 1891. De Volharding ist eine Windmühle vom Typ der Bandmühlen. Die ursprüngliche Funktion ist das Mahlen von Getreide. Im Jahr 2015 wurden die Mühlsteine ersetzt, sodass die Mühle wieder mahlen konnte. Das Mahlgut der „de Volharding“ wird jedoch nicht kommerziell vermarktet.

 

 

 

 

 

Fazit

Eine Bilderbuchtour durch das Montferland. Was jetzt noch klappert, sind meine Zähne, denn die Temperaturen zum Endspurt vom November sind nicht zu unterschätzen. Auch wenn Mühlen jetzt nicht per sé den Spannungsbogen einer Radtour ausreizen, so garantiere ich, dass das Montferland genug weitere Highlights zu bieten hat!

 

 

Gesamtstrecke: 56.88 km
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