Alle Touren Niederlande,  Nordholland (NL)

Naarden – Die alte „Nieuwe Hollandse Waterlinie“

NaardenDie alte „Nieuwe Hollandse Waterlinie“. Will man sein Heim & Grundstück gegen Eindringlinge schützen, so greift man heutzutage in der Regel oft nach elektrotechnischen Produkten. Selbstkontrolle oder altbewährt ein Wachhund kann schon eine positive Voraussetzung für einen gelungenen Sicherheitsstandard darstellen. Die Tatsache einen Wassergraben um sein Landgut oder sein Grundstück errichten zu lassen, zählt im Zeitalter der modernen Neubaugebiete jedoch mehr zur verrückten Ausnahme. Früher war die Sache mit dem Wassergraben aber allgegenwärtig. Gerade dann, wenn nicht nur ein Haus, sondern ein ganzes Gebiet, eine Stadt oder ein Land zu Beschützen / Verteidigen war.

 

Mit einem Freund fahre ich heute gemeinsam in den Niederlanden. Genauer gesagt ist es die Provinz Nordholland. Viele ehemalige Wasser- Handelsrouten spicken diese Region in den Niederlanden wie keine zweite. Auch zu Lande gab es viele strategische Punkte, die genau wie die Wasserwege geschützt werden wollten. Am bekanntesten ist wohl die „Nieuwe Hollandse Waterlinie“, die mit einer Länge von ca. 140 Kilometern und knapp 45 Festungen, zu den außergewöhnlichsten Verteidigungslinien der Niederlande zählt.

 


(Bild – Quelle: Provincie Noord-Holland)

 

Die Festung Naarden ist eine der am besten erhaltenen Festungsstädte Europas. Offene Münder und das Staunen der Besucher zeigt welche baulichen Maßnahmen früher umgesetzt worden sind, um einen Schutz vor Fremden zu gewährleisten.

 

 
Das Besondere an Naarden ist, das die Stadt aus zwei Teilen besteht: Zu einem aus der 1685 erbauten Festungsanlage und zum anderen aus den um 1900 erbauten Villen um die Festung. Mit dem Radel durchqueren wir das kleine Festübungsstädtchen. Eine alte Kanone begrüßt uns zu Beginn der Radtour und schon nach ein paar Kilometern gelangen wir ans Ufer vom Gooimeer.

 

 

Über Deiche und Polder führt uns der Weg mit morgendlichen kühlen Temperaturen praktischerweise direkt zum wunderschönen Muiderschloss.

 

 

Das Muiderschloss ist eine echte mittelalterliche Wasserburg mit allem Drum und Dran: Türmchen, Zinnen, Schießschächte und eine echte Ziehbrücke bestätigen alle Klischees die wir einst in der Grundschule zur einer Burg oder einem Schloss erlernt haben! Die Burg wurde 1285 erbaut und nach vielen Restaurierungen steht sie da, als ob sie erst gestern fertiggestellt wurde. Heute dient sie diversen Führungen oder gilt als besonderer Veranstaltungsort für Jung und Alt.

 

 

Hinter dem Schloss, ca. 4 km im Ijmeer, dem südlichsten Ausläufer vom Markemeer gelegen, befindet sich eine 205 m lange und 164 m breite Insel. Diese Insel hat genau 2 Einwohner und ist nur per Schiff zu erreichen.Es ist die Insel „Pampus“ auf dessen Fläche ca. 1880 das Fort „Pampus“ gebaut wurde. Pampus heißt eigentlich so viel wie Pampe, Dreck oder Schlick. Der Name spiegelt die damalige Fahrwasserbeschaffenheit und zeigt mit ihrem wortwörtlichen Namen, wie gefährlich die Schifffahrt bzw. die Fahrrinne vor Ort doch war. Pampus, wurde nie militärisch genutzt. Viele freiwillige und ehrenamtliche Aktivisten haben über die vergangenen Jahre das Fort restauriert, sodass es heute mit fast 40000 Besuchern jährlich, ein erfolgreicher Touristen Hot-Spot ist.

 


(Bild -Quelle: Fort Pampus)

 

Über den Westzeedijk verlassen wir Muiden. Auf einem wirklich gelungenen Radweg (Jan Kerstenpad) ist nicht nur das Fort Pampus aus der Ferne zu betrachten, vielmehr ist es auch die Natur und der Wassersport, der die Region rund um Muiden und seine Besucher verwöhnt. Direkt zu Beginn des Jan Kerstenpad steht in einer Kurve eine weitere kleine Festung. Es ist die „WestbatterijDie Westbatterij (Batterie) diente zusammen mit dem Muiderschloss der Verteidigung der Vecht-Mündung mit den Meeresschleusen. Das Turmfort wurde 1852 zur Verstärkung einer im Jahre 1799 erbauten Batterie (Artilleriestellung) gebaut. Die Schleusen wurden 1672 gebaut. Durch sie konnte von der Vecht aus unter anderem die Inundierung (Flutung von Land zu Verteidigungszwecken) der Alten und Neuen holländischen Wasserlinie in Gang gesetzt werden.

 

 

Entlang dem Ijmeer sehen wir die typische niederländische Szenerie. Schafe, Deiche, kleine Häfen und eine Naturkulisse, wie sie halt, nur in den Niederlanden vorzufinden ist.

 

 

Wir passieren ein weiteres Fort. Diesmal mit dem Namen Fort Diemerdam. Sehenswert ist der Pavillon Puur, welcher der Form eines Schneckenhauses nachempfunden ist.

 

 

Weiter in Richtung Süden erreichen wir die Ortschaft Weesp. Weesp ist wie Muiden auch eine kleine Festungsstadt. Am Fort Ossenmarkt machen wir jedoch erstmals eine kleine Pause. Ein heißer Tee kommt jetzt sehr gelegen.

 

 

Weesp ist eine sehr idyllische kleine Stadt. Die Tour führt uns entlang des Flusses Vecht. Ein altes Herrenhaus der Driggem B.V. lädt zu einem Foto ein bevor wir die Ortschaft Nigtevecht passieren.

 

 

Hier begrüßt uns eine nette Fährfrau, die uns mit Ihrer kleinen Elektrofähre leise und kostenlos zum anderen Ufer bringt. Knapp zwei Minuten dauert die Fahrt. 2 Minuten mit immer anderen Gästen. Da bleibt nicht viel Zeit für Erzählungen – ein kurzer Smalltalk und ein Foto zur Erinnerung.

 

 

In Nederhorst den Berg war es Zeit für eine Stärkung. Schnell war eine Pommesbude gefunden.
Mit einem vollen und gewärmten Bauch ging es weiter und schon nach kurzer Zeit begrüßte uns wieder die typische niederländische Kulisse. Sagenhaft!

 

 

Das Fort Uitermeer sollte für heute das letzte Fort gewesen sein. Über die Polder entlang dem Naardemeer kamen wir wieder am Startpunkt in Naarden an.

 

 

 

 

Fazit

Es ist schon der Wahnsinn, was früher so alles gebaut wurde. Die spät herbstliche Kaisersonne hat uns heute, trotz nass-kaltem Wetter viele tolle Eindrücke vermittelt. Eine Tour die Sommer unbedingt wiederholt werden muss!

 

 

Gesamtstrecke: 61.54 km
Herunterladen

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.