Das Fahrrad! Die Welt und ich 

Critical Mass – mein erstes Mal

Schon seit längeren war ich damit am Liebäugeln an einer Critical Mass teilzunehmen, aber meist entschied sich das Plenum in meinem Kopf dagegen. Wer sich regelmäßig mit dem Fahrrad in einem urbanen Raum aufhält, kennt die Tücken und die Schwierigkeiten im Straßenverkehr zu Genüge. Oft ist es der Radfahrer, der viel Einstecken muss. Blockierte Radwege, Baustellen mit Umleitungen oder allgemein schlechte infrastrukturelle Voraussetzungen machen eine Fahrt manchmal sehr gefährlich. Gerade dann, wenn Radfahrer und Autoverkehr sich zu nahekommen, wird besonders ungemütlich. Ein jeder möchte seine Bedürfnisse priorisieren, die Rücksicht und das Miteinander fallen dann leider dem Adrenalin zum Opfer.

Nichtsdestotrotz ist der Radfahrer (nach dem Fußgänger) aber nun mal das schwächere Glied im Straßenverkehr. Die Rechte und die Belange, die der Radfahrer gegenüber dem Autoverkehr stellt, kommen oft zu Kurz oder werden im Alltag wenig wahrgenommen. Ich bin mir natürlich darüber bewusst, dass es auf beiden Seiten genug „Idioten“ gibt, aber aus der Erfahrung heraus fällt auf, das der Radfahrer ein verhältnismäßig hohes Risiko eingehen muss, um seine Fortbewegung unfallfrei zu absolvieren.

>>Mit der Critical Mass erleben viele Städte dieser Welt derzeit einen besonderen Trend. Die Critical-Mass-Bewegung versteht sich nicht als Demonstration, schließlich gibt es keinen offiziellen Veranstalter /in oder Anführer/ in und keine formulierten politischen Ziele. Beinahe zufällig scheinen sich die Teilnehmer /innen zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort zu versammeln, um dann gemeinsam eine Runde durch die Stadt zu drehen……….Es lassen sich unter den Teilnehmerinnen allerdings unterschiedliche Vorstellungen bezüglich der Teilnahme an einer solchen Critical Mass feststellen: Die einen wollen einfach mit ihren Freundinnen zusammen in Ruhe durch die Stadt fahren, die anderen ein Zeichen für mehr Radverkehr in den Städten setzen. Wiederum andere genießen schlicht das Bild, das sich bei mehreren tausend Radfahrer /innen auf der Straße bietet. Und manch einer soll tatsächlich vor allem wegen der guten Musik mitgeradelt sein, die von verschiedenen Sound-Bikes gespielt wird. Organisation? Es gibt keine! Critical Mass organisiert sich von selbst.<< Quelle: Critical Mass

 

 

 

Heute war es aber so weit. Ich wollte an der Critical Mass in Köln teilnehmen. Pünktlich um 17:30 Uhr erreiche ich mit meiner Schwester den Rudolfplatz in Köln. Ein paar Radler hatten sich bereits versammelt und auch die Polizei war schon anwesend. Um ca. 18:00 Uhr ging es dann los. Mit einem Ruck kam die Masse in Bewegung und mit einem kleinen Klingelinferno wurde der Start lautstark unterstützt.

 

 

Die heutige Critical Mass hatte einen besonderen Anlas. Das Motto war Weihnachten. Bunte Lichter, Musik und ein Niko(k)laus waren selbstverständlich mit von der Partie. Die Organisation vonseiten des blauen Teams war auch sehr Vorbildlich. Ein Teil der Fahrradpolizei der Domstadt begleitete den vorderen Teil, ein anderer den inneren und äußeren Bereich. Die Schlusslaterne bildeten 2 Streifenwagen, die mit Blaulicht eine weitere Schutzmaßnahme darstellten.

 

 

 

>>Die Straßenverkehrs-Ordnung erlaubt in § 27 StVO die Bildung eines sogenannten Fahrrad-Verbandes, sobald mindestens 16 Radfahrerinnen gemeinsam unterwegs sind. Ein solcher Fahrrad-Verband darf dann auch trotz Benutzungspflichttiger Radwege die Fahrbahn nutzen und verhält sich an Ampel-geregelten Kreuzungen wie ein einziges großes Fahrzeug: Wenn der/ die erste Radfahrer /rin bei grünem Licht die Haltelinie überquert, dürfen ihm alle Anderen folgen, auch wenn die Ampel zwischenzeitlich auf rotes Licht umschaltet<< Quelle: Critical Mass

 

 

 

Ungeplant nahm der Fahrrad-Verband ständig neue Wege an. Die Musik war gut und das Klingelt flachte nur Stelleweise manchmal ab. Für mich war es ein besonderes Highlight über die Severinsbrücke zu fahren. Viele Autofahrer winkten und am Wegesrand applaudierten die einen oder anderen Fußgänger. Wollte sich aber ein Passant oder ein Auto dennoch durch den Fahrenden Konvoi schmuggeln, so wurde er zuvor oder „Auf Frischer Tat“ höflichst von der Polizei und von vielen freiwilligen Helfern davon abgehalten. Dafür von meiner Seite ein Riesen Lob, denn was für uns Radler nahezu ein Event ist, ist für die Polizei stellenweise bestimmt mit echtem Stress verbunden.

 

Fazit

Ich habe heute, gemeinsam mit meiner Schwester viele neue Menschen kennenlernen dürfen,  (besonders im Nachgang der „Veranstaltung“) die genau wie wir ein großes Fahrradherz besitzen. Die Critical Mass ist für mich eine schöne Art auf friedlicher Weise ein Live Statement gegenüber den Autoverkehr abliefern zu können. Denn nur wer auf sich aufmerksam macht, kann die Gesellschaft erreichen und zum Nachdenken anregen.

 

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